Jobabbau droht

Schock, Wut und große Sorgen bei ZF im Saarland

Der Autozulieferer ZF – hier ein Blick in das Saarbrücker Werk – beschäftigt im Saarland rund 9000 Menschen. Nun sollen 2000 Stellen bedroht sein. FOTO: BeckerBredel

Saarbrücken. Das Szenario eines massiven Jobabbaus trifft die Mitarbeiter hart – nach zuletzt guten Nachrichten.

Janine Gombert hat Tränen in den Augen. „Ich bin geschockt, beunruhigt und ein bisschen verzweifelt“, sagt die 35-Jährige mit gebrochener Stimme. Sie kommt gerade aus einer Infoveranstaltung des ZF-Betriebsrats in Saarbrücken. Dort wurde am Donnerstagmittag ein Szenario vorgestellt, wie es in dem Getriebewerk nach 2022 weitergeht, wenn die Vereinbarung zur Beschäftigungssicherung ausläuft. Die Fertigung des aktuellen Achtgang-Automatikgetriebes soll großteils aus Kostengründen ins billigere Ausland verlagert werden, zum Beispiel nach Ungarn. Und die neue vierte Getriebegeneration, die besonders für Hybridantriebe gedacht ist, soll zwar in Saarbrücken 2022 anlaufen, aber dann doch in großem Umfang anderswo gebaut werden – auf Kundenwunsch etwa ein Viertel allein in den USA. So ist es aus der Belegschaft zu hören. Die Folge: „Jeder vierte Arbeitsplatz soll hier bis 2026 wegfallen“, sagt Gombert. Andere sprechen von 2000 Jobs, die gestrichen werden. nach Merkur-Informationen sind es wohl eher 1800, ein Viertel von denen, die im Saarland unmittelbar in der Getriebefertigung tätig sind. Zurzeit beschäftigt ZF nach eigenen Angaben im Saarland insgesamt rund 9000 Mitarbeiter.

Der Betriebsratsvorsitzende in Saarbrücken, Mario Klaes, äußert sich öffentlich nicht zu den Zahlen und den Details, die er zuvor den Kolleginnen und Kollegen präsentiert hat. Er will erst einmal mit der Geschäftsführung verhandeln. Denn noch sei nichts endgültig entschieden, sagt er und fügt hinzu: „Wir haben Hoffnung, dass zeitnah Verhandlungen aufgenommen werden, um den drohenden Beschäftigungsabbau zu verhindern oder zu lindern.“

Die saarländischen Werke in Saarbrücken und Neunkirchen-Wellesweiler sind nicht allein betroffen. Alle deutschen Standorte stehen unter Spardruck. Handelskriege, schleppende Autoverkäufe und der Wandel in der Antriebstechnik wirken sich aus und beeinflussen auch die langfristige Planung im Konzern. Der besorgte Gesamtbetriebsrat hat eine Resolution verabschiedet, in der er den Konzernvorstand auffordert, die Beschäftigung in Deutschland zu sichern, die Jobgarantien über 2022 hinaus zu verlängern und betriebsbedingte Kündigungen auszuschließen. „Wir haben Angst, dass bei ZF Weichen gestellt werden, die am Standort Deutschland vorbeiführen“, sagt Achim Dietrich, der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats. „Es gibt Signale für eine langfristige Verlagerung von Stellen ins Ausland.“ Dagegen hatte der Gesamtbetriebsrat eine Protestaktion vor der Konzernzentrale in Friedrichshafen organisiert. Nach Angaben des SWR demonstrierten dort am Mittwoch rund 4000 Mitarbeiter. Weltweit beschäftigt der Autozulieferer rund 150 000 Menschen, davon knapp 51 000 in Deutschland.

top