Zehn Jahre nach der Teilverstaatlichung

Der Staat soll bei der Commerzbank aussteigen

FOTO: dpa / Frank Rumpenhorst

Frankfurt. Politiker und Ökonomen drängen auf einen Rückzug als Anteilseigner. Der Bund sieht sich nicht unter Zeitdruck.

Zehn Jahre nach der  Teilverstaatlichung der Commerzbank werden Forderungen nach einem Ausstieg des Staates lauter. „Der Staat müsste heute nicht mehr bei der Commerzbank beteiligt sein. Es wäre ein wichtiges Signal, wenn sich der Bund endlich zurückziehen würde“, sagte der Frankfurter Bankenprofessor Martin Faust. „Der Bund hätte sich schon vor vier oder fünf Jahren wieder zurückziehen sollen, als sich zeigte, dass sich die Commerzbank nach der Krise relativ gut entwickelt“, meint Faust. „Es fehlt aber bis heute eine Exitstrategie – auch weil insgesamt nicht klar ist, wohin sich die deutsche Bankenwirtschaft entwickelt.“

Die Übernahme der kriselnden Dresdner Bank mitten in der Finanzkrise hatte die Commerzbank zum Rettungsfall gemacht. Der Staat bewahrte das Institut mit Steuermilliarden vor dem Kollaps. Im November 2008 flossen zunächst 8,2 Milliarden Euro als stille Einlage. Am 8. Januar 2009 gab es weitere zehn Milliarden Euro aus dem staatlichen Bankenrettungsfonds. Im Gegenzug wurde der Bund mit 25 Prozent plus einer Aktie größter Anteilseigner der damals zweitgrößten deutschen Bank. Es war die erste direkte Beteiligung des Bundes an einer großen Privatbank in Deutschland.

„Dass der Staat Großaktionär der Commerzbank wurde, wurde damals sehr negativ gesehen“, erinnert Faust. „Dabei hat man zum Beispiel in den USA erlebt, dass eine Staatsbeteiligung die Banken eher stabilisiert hat.“ Das Fazit des Ökonomen: „Der Einstieg des Staates hat der Commerzbank nicht geschadet. Im Gegenteil: Er hatte stabilisierende Wirkung.“

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