Prozessauftakt am Landgericht Frankenthal

Anwalt gibt BASF Mitschuld an Explosion

BASF hat nach eigenen Angaben Lehren aus dem Unglück vom 17. Oktober 2016 gezogen.FOTO: dpa / Einsatzreport Südhessen

Frankenthal. Fünf Tote, Dutzende Verletzte, mindestens 500 Millionen Euro Schaden: Eine Brandkatastrophe erschütterte vor gut zwei Jahren das BASF-Werk in Ludwigshafen. Gestern hat der Prozess begonnen. Angeklagt ist ein Arbeiter, der eine verhängnisvolle Entscheidung getroffen habe.

Mehr als zwei Jahre nach einer Gasexplosion mit fünf Toten auf dem Gelände des Chemiewerks BASF in Ludwigshafen hat am Landgericht Frankenthal der Prozess gegen einen 63-jährigen Angeklagten begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft einem 63-jährigen Mannheimer vor, am 17. Oktober 2016 bei Schweißarbeiten eine falsche Leitung angeschnitten zu haben. Der Angeklagte kündigte am Dienstag im Landgericht an, sich erst im Prozessverlauf dazu zu äußern. Die Anklage lautet auf fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung und fahrlässiges Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion. Bei dem Unglück waren auch 44 Menschen verletzt worden. Ein Urteil soll im März fallen.

Als eine zentrale Frage des Prozesses gilt, ob und wie die Rohre auf dem BASF-Gelände in Ludwigshafen gekennzeichnet waren. „Bestmögliche Vorkehrungen, um eine Verwechslung auszuschließen, waren nicht vorhanden“, sagte Rechtsanwalt Alexander Klein, der die Hinterbliebenen eines getöteten Feuerwehrmanns vertritt. „Man muss nach Aktenlage von einem zumindest moralischen Mitverschulden der BASF ausgehen.“ Ob das allerdings nachweisbar sei oder mögliche Vertreter des Chemieriesen noch geladen werden, müsse sich erst zeigen, sagte Klein.

Bei dem Unfall oder in dessen Folge waren vier Mitarbeiter der Werkfeuerwehr und ein Matrose eines Tankmotorschiffs ums Leben gekommen. Der Beschuldigte war mit Verbrennungen zweiten und dritten Grades schwer verletzt worden. „Ein recht dramatisches Überwachungsvideo zeigt, wie sich der Angeklagte quasi selbst in Brand setzt“, berichtete ein Gerichtssprecher. „Wir wissen, dass das heute ein schwerer Gang für Sie alle ist“, sagte Richter Uwe Gau zu den Prozessbeteiligten.

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