Kommentar zum Bundesverdienstkreuz für Ex-EZB-Chef

Draghi handelte europäisch

Stefan Vetter FOTO: SZ / Robby Lorenz

Mario Draghi zum Buhmann abzustempeln, greift zu kurz. Die EZB hat den Leitzins ja nicht aus Lust und Laune auf Null gedrückt. Die Zentralbank agiert nicht im luftleeren Raum, sondern unter konkreten ökonomischen Verhältnissen.

Und da ist es nun einmal so, dass sich ein Euro-Land wie Deutschland höhere Zinsen leisten könnte, andere Euro-Staaten wie Italien oder Griechenland damit aber wohl vor dem Kollaps stünden. Dabei hat sich auch der deutsche Staat mit dem Nullzins gut arrangiert. Er bekommt noch Geld oben drauf, wenn er sich welches borgt. Den Bürgern wenigstens einen Teil der Zinsersparnisse, etwa in Form niedrigerer Steuern oder zusätzlicher Anreize für die Altersvorsorge zurückzugeben, davon ist die Regierung in Berlin freilich weit entfernt. Am Ende kann man es auch so sehen: Dank Draghis EZB-Politik schwimmt der Bund im Geld. Da zeigt man sich eben mit einem Orden erkenntlich. So einfach ist das. Und so schwer erträglich.

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