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Gekaufter Jubel für digitales Prestige

Um Aufmerksamkeit in sozialen Netzwerken zu bekommen, greifen manche Nutzer auch in den Geldbeutel. FOTO: Getty Images/ iStockphoto / anyaberkut

Wittenberg/Halle. Für Geld gibt es praktisch alles zu kaufen – auch virtuelle Freunde und digitalen Applaus im Internet.

Wer im Internet im Gespräch bleiben will, muss auffallen. Das erreicht man in der Regel dadurch, dass man viele andere Nutzer auf sich aufmerksam macht. Virtuelle Freunde (Follower) für mehr „Gefällt mir“-Angaben (Likes) unter den eigenen Beiträgen (Posts) – je mehr, desto besser. Den Rest erledigt der Algorithmus von Facebook, Instagram und Co. Er platziert die Beiträge von Personen mit besonders vielen virtuellen Anhängern an vorderer Stelle, sodass sie von möglichst vielen Nutzern gesehen werden. Das wiederum macht solche Nutzer attraktiv für Unternehmen, die ihre Produkte vermarkten wollen. Kann ein Nutzer über die sozialen Netzwerke viele Menschen erreichen, zahlen Firmen mitunter viel Geld, damit er für sie Werbung macht.

Um einen solchen Status zu erreichen, braucht es viel Zeit. Doch manche nehmen eine Abkürzung, denn „Freunde“ lassen sich im Internet auch kaufen. Das sollen deutsche Prominente, Politiker, Parteien, Dienstleister und Unternehmer wiederholt getan haben, wie Forscher der Uni Bochum Ende vergangenen Jahres aufgedeckt. Die Auftraggeber sollen die Magdeburger Firma Paidlikes eingeschaltet haben, um ihre Seiten in den sozialen Medien oder einzelne Beiträge gegen Bezahlung mit „Gefällt mir“-Angaben zu stärken. In der Auswertung der Forscher tauchen Politiker und Verbände aller großen Parteien auf – die CDU/CSU sowie die FDP jeweils 17 Mal, die SPD 14-Mal, die AfD elf-, die Grünen und Linken je dreimal.

Gekaufte Online-Fans sind kein neues Phänomen. Eine Anfrage wie „Follower/Likes kaufen“ bei Google genügt und schon spuckt die Suchmaschine zahlreiche Angebote aus. 100 Instagram-Likes für 4,99 Euro zum Beispiel, 1000 für 14,99 Euro oder 10 000 für 79,99 Euro. Bezahlt wird meist per Kreditkarte, Sofortüberweisung oder über den Bezahldienst Paypal.

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