Branche unter Druck

Bäcker rechnen mit Preiserhöhungen

Saarbrücken. Immer mehr Betriebe in der Region müssen aufgeben. Die Innung beklagt einen mangelnden Respekt gegenüber dem Backhandwerk.

Hinter den Kulissen vieler Bäckereien an der Saar brodelt es. Immer mehr Betriebe in der Region sehen ihre Existenz gefährdet. Landesinnungsmeister Hans-Jörg Kleinbauer betont, viele sähen sich nicht mehr länger in der Lage, der wachsenden Konkurrenz durch Discounter und den steigenden Kosten durch höhere Beschaffungspreise für Rohstoffe, Energie und Lohnerhöhungen für das Personal standzuhalten. „Es wird deshalb in nächster Zeit noch mehr Schließungen von Bäckereien an der Saar geben. Das Eis wird dünner. Viele Betriebe halten den Druck durch ständig steigende Kosten und Discounter mit Billigware nicht mehr aus“, betont Kleinbauer im Gespräch mit unserer Zeitung. Gleichzeitig werde die Lage noch dadurch weiter erschwert, dass die Wertschätzung für das Produkt Brot bei immer mehr Verbrauchern abnehme.

Regionale Bäckereien könnten mit den Produktions- und Arbeitsbedingungen der Discounter nicht mithalten, stellt Kleinbauer klar. Deshalb seien die Produkte der Bäckereien auch teurer, wofür immer weniger Kunden Verständnis zeigten. „Viele Leute denken, der Preis müsse immer gleich bleiben. Da wird gesagt: Ihr verdient doch genug. Dann gehe ich eben zum Discounter.“ Diese Haltung führe jedoch dazu, dass besonders Bäcker auf dem Land aufgeben müssten. Also in Orten, in denen ohnehin schon immer mehr Dienstleistungen verloren gingen. Wer seinem regionalen Bäcker weiter die Treue halte, sichere nicht nur den Weiterbestand attraktiver Ortskerne, sondern trage zugleich zur Sicherung von Arbeitsplätzen in der Branche bei. Kleinbauer appelliert deshalb an die Saarländerinnen und Saarländer, auch längere Wege zum Bäcker in Kauf zu nehmen, damit diese auch in entlegeneren Orten noch eine Bestandschance haben. „Bedenken Sie: Was erst einmal weg ist, ist weg“, sagt der Landesinnungsmeister.

Seit vielen Jahren sinke die Zahl der Bäckereibetriebe an der Saar. Waren es 1980, damals auch noch zu Hochzeiten von Bergbau und Stahlindustrie, 800 Bäckereien, so sind es heute nur noch 200. „Ich rechne mit einem weiteren Rückgang von zwei bis vier Prozent pro Jahr“, schätzt Kleinbauer.

top