Autozulieferer in Existenzkrise

Ein Tiefpunkt für die Halberger Gießerei

Mitarbeiter der Gusswerke Saarbrücken vor der Turnhalle Brebach. Die große Frage lautet: Steht man auf der Liste derer, die ihre Arbeit verlieren, oder nicht? FOTO: BeckerBredel

Saarbrücken. 600 Mitarbeiter verlieren bei den Gusswerken Saarbrücken ihren Job. Die Neunkircher Ferraro Group wird vielleicht zum Hoffnungsträger.

Frust und Trauer überwiegen, dazu kommen hie und da Wut und Galgenhumor. Die Hiobsbotschaft vom großen Stellenabbau trifft die Belegschaft der insolventen Gusswerke Saarbrücken auf der Betriebsversammlung am Mittwochnachmittag wie ein Schlag ins Gesicht. „Haben wir nicht lange genug gekämpft? Und jetzt das. Das ist zu viel“, sagt Anja Meziti, deren Mann ansteht, um zu erfahren, ob er auf der Liste steht. Auf der Liste der 600 Mitarbeiter der Gusswerke Saarbrücken, die erst einmal freigestellt sind. Ein anderer weiß schon Bescheid. Er steht auf besagter Liste derer, die nicht mehr zur Arbeit kommen müssen – und wirkt überraschenderweise gelöst. Endlich ist die jahrelange Unsicherheit und das nervenzermürbende Bangen vorbei.

Ob in dem Jahr unter Prevent oder dieses Jahr unter den Sanierern von One Square Advisors – immer ging es um das Überleben der Motorblockgießerei. Da verliert mancher die Hoffnung. Auch einer von den 400, die noch ihren Job haben, denkt so. „Ich sehe schwarz“, sagt er und rechnet damit, bald ohne Job dazustehen. Helmut Seiler bringt die Stimmungslage auf den Punkt: „Das ist hart für die, die gehen müssen, und auch für die, die bleiben können.“

Insolvenzverwalter Franz Abel hat zuvor harte Einschnitte verkündet: 600 Mitarbeiter werden freigestellt. Ihnen droht der endgültige Verlust ihrer Jobs. Unmittelbarer Auslöser des radikalen Stellenabbaus ist der Ausstieg des größten Kunden General Motors (GM). Am vergangenen Donnerstag habe der amerikanische Autobauer erklärt, keine Teile aus Saarbrücken mehr abnehmen zu wollen. Er bezieht die Gussteile nun hauptsächlich von der Gießerei Fritz Winter mit Firmensitz in Stadtallendorf (Hessen). Mindestens sieben Monate habe GM den Wechsel vorbereitet, sagt Abel unserer Zeitung, will dem Kunden aber keinen Vorwurf machen. „Sie waren es einfach leid.“ VW, GM und die anderen Kunden hatten unter dem früheren Eigentümer Prevent massiv überhöhte Preise zahlen müssen, und auch unter One Square Advisors lagen sie vermutlich nicht unwesentlich über dem Marktniveau.

top