Eine Milliarde Dollar fürs Überleben

Neben Airbase Ramstein entsteht größtes Militärhospital außerhalb der USA

Viel Glas und Licht: Im neuen US-Militärhospital, hier eine Animation des geschwungenen Hauptbaus, soll der Aufenthalt so angenehm wie möglich sein. Geplant ist sogar ein „Heilgarten“. FOTO: LBB Rheinland-Pfalz

Ramstein. Neben der Airbase im rheinland-pfälzischen Ramstein entsteht das größte US-Militärhospital außerhalb der Vereinigten Staaten.

Das Rechteck aus rotbraunem Erdreich inmitten des Kiefernwaldes ist so riesig, dass man das Rauschen des Windes in den schwankenden Baumwipfeln rechts und links nur erahnen, aber nicht hören kann. Und so weit, dass die schweren Baustellen-Lkw, die die Sicherheitsschleuse an der Zufahrtsstraße passieren, nach einer Weile zu kleinen Punkten in der Ferne werden. Dass das, was hier vor dem Osttor des US-Luftwaffenstützpunktes bei Ramstein entstehen soll, enorme Ausmaße haben muss, wird selbst Unbeteiligten schnell klar.

Für fast eine Milliarde Dollar (rund 850 Mio. Euro) bauen die Vereinigten Staaten hier das größte US-Militärkrankenhaus außerhalb ihres Landes. Die Elbphilharmonie war ähnlich kostspielig. 120 Untersuchungsräume, 40 verschiedene Fachabteilungen, 9 Operationssäle und knapp 100 Betten. Medizinisch versorgt werden sollen hier nicht nur die fast 18 000 stationierten US-Militärs und ihre Familienmitglieder im Großraum Kaiserslautern, sondern insbesondere verwundete Soldaten aus  Einsatz-
orten im Nahen Osten und in Afrika. Für sie wäre der Heimflug zu weit. Die Verletzten werden heute vor allem von US-Stützpunkten aus Afghanistan, Kuwait und Katar eingeflogen. Sechs Stunden im Bauch einer C17-Frachtmaschine, um sich im Pfälzer Wald das Leben retten zu lassen.

Viele der oft lebensgefährlichen Verletzungen hätten ihnen Selbstmordattentäter, Schusswunden oder Amateur-Sprengsätze zugefügt, sagt Major Brian Cohee. Der 35-jährige Amerikaner ist Militärarzt im „Landstuhl Regional Medical Center“, das eine knappe Viertelstunde Fahrt von der Airbase in Ramstein entfernt liegt. Hier werden die Verwundeten noch bis zur geplanten Fertigstellung des Klinik-Neubaus Ende 2022 operiert. Cohee trägt Uniform und Stiefel, sein blondes Haar so kurz geschoren, dass man ihn für kahlköpfig halten könnte. Er sagt, aufgrund der schweren Schutzwesten, die die Soldaten bei ihren Einsätzen tragen, würden vor allem Arme, Beine und der Kopf verletzt. Etwa 130 Soldaten pro Monat behandeln Cohee und fast 250 weitere Mediziner und Spezialisten in dem US-Krankenhaus in Landstuhl. Während des Irak-Krieges 2003 waren es mehr als fünf Mal so viele. Wie viele von ihnen psychische Schäden durch die Kampfeinsätze davongetragen haben, will Cohee nicht sagen. Nur: Man versuche, die Auswirkungen posttraumatischer Belastungen bei den Soldaten so gering wie möglich zu halten. Wie? Mit Schmerzmitteln, regelmäßigem Schlaf und ausgewogener Ernährung, sagt er. Auch würden nach Möglichkeit Familienmitglieder eingeflogen. Immerhin überleben die Verwundeten, statistisch zu 99 Prozent.

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