Zweitwohnsitz-Stopp

Postkarten-Orte in Bayern bekämpfen das Rollladen-Phänomen

Das idyllische Berchtesgaden will verhindern, dass die Wohnungsnot für Einheimische durch leerstehende Feriendomizile wächst. FOTO: picture alliance / imageBROKER / dpa Picture-Alliance / Wilfried Wirth

Berchtesgaden. Wohnraum, der außerhalb der Ferien verwaist ist? Berchtesgaden und Schönau am Königssee wollen eine weitere Zunahme an Zweitwohnungen verhindern.

Geschlossene Rollläden – und das die längste Zeit im Jahr: Zweitwohnungsbesitzer sind selten da. Dabei wird Wohnraum knapper. Die Preise explodieren, Einheimische finden keine Bleibe. Tourismus-Orte von Berchtesgaden bis Sylt ringen mit dem Phänomen. Vielfach liegt die Zweitwohnungssteuer schon bei 20 Prozent der Kaltmiete. Das spült Geld in den Gemeindesäckel, schreckt aber betuchte Interessenten kaum ab. Berchtesgaden und Schönau am Königssee gehen einen in Deutschland neuen Weg: Die oberbayerischen Gemeinden haben einen Zweitwohnungsstopp verhängt. Ein Rollladen-Stopp, sozusagen. Das könnte Schule machen.

Denn nicht zuletzt sind Wohnungen weiter auch als Geldanlage gefragt – nicht nur in attraktiven Städten, sondern auch in anderen begehrten Lagen, etwa an Nord- und Ostsee oder wie eben im Süden Bayerns. Ruhpolding in den Chiemgauer Alpen ist Berchtesgaden schon gefolgt. Er wolle damit ein Signal setzen, sagt Bürgermeister Claus Pichler (SPD). Baugrund sei begrenzt. Die Natur rundum sei es, was Touristen schätzten. Und während für die einen Wohnen immer schwerer finanzierbar sei, könnten sich andere Zweitwohnungen leisten. „Wir können nicht ewig auf der Wohlstandswelle schwimmen.“

Auch Kreuth im Tegernseer Tal plant ein Zweitwohnungsverbot. „Wir haben einen Entwurf vorbereitet und zur rechtlichen Prüfung vorab dem Gemeindetag zugeleitet“, sagt Bürgermeister Josef Bierschneider (CSU). Wahrscheinlich nach der Sommerpause solle die Satzung beschlossen werden.

top