Präsident des Bundesverbandes deutscher Pathologen

Wie ein Experte den Arztskandal beurteilt

In einem pathologischen Institut werden Gewebeproben untersucht (Symbolbild). FOTO: picture alliance / Westend61 / dpa Picture-Alliance / Dieter Schewig

Der Fall um den Pathologen aus dem Saarpfalz-Kreis wirft viele Fragen auf. Wir haben mit dem Präsidenten des Bundesverbands deutscher Pathologen gesprochen.

Saarpfalz-Kreis Fehldiagnosen in 26 Fällen werden einem Pathologen aus dem Saarpfalz-Kreis inzwischen zur Last gelegt. Diese Zahl könnte allerdings noch steigen, wenn die beschlagnahmten Gewebeproben und Akten ausgewertet sind, die die Polizei vorigen Freitag aus Privatwohnung und Praxis des Beschuldigten abtransportiert hat. Gestern haben zudem die Saarländische Krankenhausgesellschaft (SKG) und das Gesundheitsministerium eine „dringliche Mitteilung“ an die Leitungen aller betroffenen Kliniken geschickt: Sie werden darin aufgefordert, die Befunde aller Patienten, die durch den Pathologen eine Diagnose erhalten haben, erneut zu prüfen. Auch niedergelassene Ärzte wurden informiert.

Der Arztskandal sorgt bei vielen Patienten für Verunsicherung und hinterlässt offene Fragen. Die Fachrichtung „Pathologie“ kennen die meisten nur aus Krimiserien. Dabei hat die Arbeit eines Pathologen nichts mit Rechtsmedizin zu tun, stellt Professor Karl-Friedrich Bürrig klar. Er ist Präsident des Bundesverbandes deutscher Pathologen und betreibt selbst ein Institut in Hildesheim. Zumindest bei einigen Spekulationen kann er Entwarnung geben. „Keine unerwartet hohe Zahl“, kommentiert er beispielsweise die 8000 Untersuchungen, die der saarländische Pathologe zuletzt in einem einzigen Quartal abgerechnet hat. Es sei sehr unwahrscheinlich, dass der Pathologe aus reiner Habgier mehr Proben analysiert habe, als er ohne Qualitätsverlust bewältigen konnte. Die Gebührenordnung für Ärzte unterscheide sich zwar je nach Bundesland, aber bei den meisten pathologischen Untersuchungen handle es sich um eine „vergleichsweise preiswerte Angelegenheit“. So kann der Pathologe bei einer Gallenblase etwa 10 bis 20 Euro abrechnen. „Damit wird niemand reich,“ stellt Bürrig fest. Betrug sei in dieser Fachrichtung daher sehr selten. Die Kassenärztliche Vereinigung sowie die Krankenkassen prüften zudem die abgerechneten Leistungen.

Wie kann ein solcher Fall so lange unentdeckt bleiben? Bürrig bestätigt, dass ein Untersuchungsergebnis normalerweise nicht noch einmal von einem zweiten Pathologen kontrolliert wird. Spätestens in der Nachbetreuung des operierten Patienten müsste eine Fehldiagnose allerdings auffallen – „und das ist hier ja anscheinend passiert“.

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