Interview Bijan Djir-Sarai

„Da will doch keiner mehr mit dem Westen zusammenarbeiten“

Berlin. Der FDP-Außenpolitiker sieht den Abzug der US-Truppen als „schlechtes Zeichen“. Amerika habe die kurdischen Verbündeten „im Stich gelassen“.

Die Kurdenmilizen in Nordsyrien waren im Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) ein wichtiger Verbündeter der USA. Nun zieht Washington seine Truppen für eine Militäroffensive der Türkei aus der Region ab. Nach Einschätzung des außenpolitischen Sprechers der FDP wird sich Europa deshalb womöglich auf neue Flüchtlingsströme einstellen müssen.

Herr Djir-Sarai, ist der Abzug der US-Truppen ein gutes oder schlechtes Zeichen?

DJIR-SARAI Der Rückzug ist ein sehr schlechtes Zeichen. Washington hat sich schon seit längerem aus der Diplomatie in der Region zurückzogen, nun auch militärisch. Dadurch wird ein Vakuum entstehen, nicht nur in Nordsyrien, sondern im Hinblick auf die Nachkriegsordnung in ganz Syrien. Die USA haben kein Interesse mehr an der Region, die EU war dort nie ein Faktor. Zu erwarten ist, dass der Iran, Russland und die Türkei dort ihre Einflusssphären abstecken werden.

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