Warum sind ausgerechnet Sie zum Zielobjekt geworden?

MOHRING Ich bin eine Person des öffentlichen Lebens. Und ich stehe mitten im Wahlkampf. Aber ich sehe mich nicht im Mittelpunkt der Diskussion. Sondern ich habe die Drohungen zum Anlass genommen, eine Debatte darüber anzustoßen, was das Land zusammenhält. Es kann doch nicht sein, dass die den Ton angeben, die von den extremen Rändern her Angst verbreiten. In meinem Fall von rechts. Oder die uns gar Fristen setzen, bis wann wir den Wahlkampf abzubrechen haben und damit auch Einfluss auf Wahlergebnisse nehmen wollen. Das würde unsere Demokratie kaputt machen.


Sie nehmen anders als der Grünen-Spitzenkandidat, der auch bedroht wurde, die Sache sehr ernst.

MOHRING Ja, aber das muss jeder für sich selber einschätzen. Wir haben allerdings beim Mord am hessischen Regierungspräsidenten Walter Lübcke und beim Attentat in Halle gesehen, dass es offensichtlich Täter gibt, die sich animieren lassen von der Verrohung der Sprache und der Polarisierung der Gesellschaft. Für mich war das innerhalb weniger Wochen die zweite Morddrohung. Ich bin jeden Tag in Thüringen im Wahlkampf unterwegs. Wir sagen keine Termine ab und werden uns nicht verstecken. Ich verlasse mich auf die Ermittlungsarbeit der Polizei.

Sie haben gesagt, man muss etwas tun. Was meinen Sie konkret?

MOHRING Wir sehen das ja an unserem eigenen Verfassungsschutzamt in Thüringen. Da sagt der Präsident, man pfeife aus dem letzten Loch, was Ausstattung und Personal angeht. In anderen Bundesländern sieht es zum Teil nicht besser aus. Wir müssen unsere Dienste stärken und nicht darüber diskutieren, sie abzuschaffen, wie die Linke es will. Deswegen gilt es, sie so auszustatten, dass sie technisch auf Augenhöhe mit den Tätern sein können. Ich plädiere zudem sehr für eine engere Zusammenarbeit der Landesämter mit dem Bundesamt für Verfassungsausschuss.

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