Polizei hebt erstes deutsches Darknet-Zentrum in Traben-Trarbach aus

Der Cyberbunker tief unten im Berg

Am Donnerstag verschafften sich die Ermittler Zugang zu dem Bunker, in dem Internet-Kriminelle mehrere Jahre ihr Rechenzentrum betrieben hatten. FOTO: Polizei

Traben-Trarbach. Jahrelang wurde am Rande von Traben-Trarbach eines der größten illegalen Rechenzentren Deutschlands betrieben. Bereits nach dem Verkauf des ehemaligen Bundeswehrareals gab es Hinweise auf möglicherweise kriminelle Machenschaften des neuen Besitzers.

Es mutet an wie ein Werbefilm. Der Hubschrauber gleitet langsam über einen Berg. Durch die regennasse Scheibe ist ein hoher Sendemast zu erkennen, rechts daneben ein Gebäudekomplex, ansonsten viele Bäume und Wiesen. Doch statt Ferienidylle zeigt der kurze Film, der am Freitag bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in der Landespolizeischule auf dem Flughafen Hahn gezeigt worden ist, den derzeit wohl spektakulärsten Tatort Deutschland. Unter den Bäumen und Wiesen auf dem Mont Royal bei Traben-Trarbach liegt ein riesiger Bunker-Komplex, 5000 Quadratmeter groß, mit über 500 Räumen, fünf Stockwerke unter der Erde. Bis 2012 war es ein Standort der Bundeswehr. Die betrieb dort das Amt für Wehrgeophysik, so etwas wie ein Wetterdienst fürs Militär. Ein Jahr später kaufte ein Niederländer das 13 Hektar große Areal vom Bund. Er baute dort ein streng bewachtes Rechenzentrum. Name der auch in den Niederlanden tätigen Firma: Cyberbunker.

Was dort in dem Hochsicherheitskomplex wirklich gemacht worden ist, wusste bis Donnerstag kaum einer. Doch die Gerüchte waberten schon beim Verkauf des Geländes an eine Stiftung, über die der Niederländer es erwarb. Der Mann sollte in seinem Heimatland in kriminelle Machenschaften verwickelt sein. Bereits 2013 hat das Landeskriminalamt seitens der Verbandsgemeindeverwaltung Traben-Trarbach einen Hinweis erhalten, dass der Niederländer möglicherweise mehr als nur ein riesiges Rechenzentrum unter dem Mont Royal betreibe.

Doch es dauerte noch bis 2015, bis die Ermittlungen tatsächlich in Gang gekommen sind. „Stück für Stück“, sagt der Koblenzer Generalstaatsanwalt Jürgen Brauer, hätten sich dann die Hinweise verdichtet, dass von dem Bunker aus über einen sogenannten Bulletproof-Hoster Internetseiten gespeichert worden sind, über die international agierende Kriminelle im Darknet so ziemlich alles angeboten haben, was illegal ist: Waffen, Drogen, geklaute Daten, gefälschte Dokumente und Kinderpornos.

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