Interview Nikolas Löbel

„Seehofer setzt ein falsches Zeichen“

CDU-Bundestagsmitglied Nikolas Löbel FOTO: Jördis Zähring

Berlin. Der CDU-Experte für Außenpolitik sieht in seiner Partei keine Mehrheit für die neue Migrationsstrategie des Bundesinnenministers bei der Seenotrettung.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) erntet in den eigenen Reihen viel Kritik für seine Zusage, 25 Prozent der im Mittelmeer geretteten Flüchtlinge in Deutschland aufnehmen zu wollen. Die CDU werde bei dieser 180-Grad-Wende nicht mitmachen, sagt Nikolas Löbel, Experte für Außenpolitik in der Union.

Herr Löbel, ist Horst Seehofer mit seinem Vorstoß zu weit gegangen, grundsätzlich ein Viertel aller in Seenot geratenen Flüchtlinge aufnehmen zu wollen?

LÖBEL Ja. Der Bundesinnenminister hat damit persönlich eine 180-Grad-Wende hingelegt und betreibt plötzlich die Politik, die er vor wenigen Jahren als bayerischer Ministerpräsident noch scharf kritisiert hat. Und er rechnet dabei mit falschen Annahmen. Das Abkommen von Malta geht nämlich von den niedrigen Zahlen der geretteten Bootsflüchtlinge in den letzten Monaten aus. Doch die Zahlen steigen akut. Allein im August setzten über 8100 Flüchtlinge von der Türkei nach Griechenland über. Im Jahr zuvor waren es nur 3000 in diesem Zeitraum. Deshalb setzt der Bundesinnenminister damit ein falsches Zeichen.

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