Trisomie 21 bei ungeborenen Kindern

Der Streit um die frühe Erkenntnis

In Deutschland leben derzeit bis zu 50 000 Menschen mit Down-Syndrom. Künftig soll es für werdende Mütter unter bestimmten Bedingungen kostenlos werden, diese Gen-Veränderung frühzeitig und zuverlässig zu erkennen. FOTO: Getty Images/ iStockphoto / Tatiana Dyuvbanova

Berlin. Trisomie 21: Die Krankenkasse soll künftig die Blut-Tests zur Bestimmung von Gen-Defekten bei Ungeborenen bezahlen können.

Für viele werdende Mütter ist es eine Hilfe, aber auch eine schwierige ethische Frage: Bluttests vor der Geburt auf ein Down-Syndrom des Kindes können künftig von der Kasse bezahlt werden. Möglich sein soll die Kostenübernahme aber nur in engen Grenzen, wie der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken als oberstes Entscheidungsgremium am Donnerstag beschloss – nämlich „in begründeten Einzelfällen“ bei Schwangerschaften mit besonderen Risiken und verbunden mit ärztlicher Beratung und weiteren Informationen. Kirchliche Organisationen und Behindertenvertreter kritisierten die Grundsatzentscheidung, es gab aber auch Zustimmung.

Der Vorsitzende des G-BA, Josef Hecken, machte deutlich, dass es ausdrücklich nicht um allgemeine Reihenuntersuchungen gehe. Durch die „sehr engen Voraussetzungen“ werde klar und eindeutig geregelt, dass der Bluttest nicht als ethisch unvertretbares „Screening“ eingesetzt werde. Ziel ist es laut G-BA, Risiken der sonst üblichen Entnahme von Fruchtwasser oder Plazentagewebe durch die Bauchdecke zu vermeiden, was als schlimmste Komplikation zu Fehlgeburten führen könne – bei fünf bis zehn von 1000 untersuchten Frauen könne dies der Fall sein.

Angesichts dieses „Schadenspotenzials“ und der „hohen Testgüte“ der nicht-invasiven Bluttests sei die Aufnahme in den Leistungskatalog der Kassen beschlossen worden, sagte Hecken, der frühere saarländische Gesundheitsminister. Die Tests werden seit 2012 angeboten. Sie untersuchen im Blut der Schwangeren etwa, ob das Kind mit Down-Syndrom auf die Welt käme. Bisher sind die mindestens 129 Euro teuren Tests meist selbst zu zahlen. Die seit mehr als 30 Jahren üblichen Fruchtwasseruntersuchungen zahlen die Krankenkassen schon.

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