Kaum Staus trotz Klima-Blockade in Berlin, Festnahmen in London

Rebellion der Klimaaktivisten

Aktivisten der Klimabewegung Extinction Rebellion tanzen am frühen Montagmorgen in Berlin am Großen Stern um die Siegessäule und blockieren den Verkehrsknotenpunkt in der deutschen Hauptstadt. Anders als in London und Amsterdam verläuft die Aktion aber friedlich. FOTO: dpa / Paul Zinken

Berlin. Wo sonst Autos um die Berliner Siegessäule rauschen, sitzen und laufen am Montagmorgen Hunderte Menschen und blockieren den Verkehr. „Extinction Rebellion“ heißt diese radikalere Form der „Fridays-For-Future“-Proteste – und es gibt sie nicht nur in der deutschen Hauptstadt.

Es ist dunkel und eiskalt. Autos sind an diesem frühen Montagmorgen auf den großen Hauptverkehrsadern Berlins noch nicht zu sehen. Dafür aber Menschen, Hunderte Menschen, zumeist gut gelaunt. Sie laufen vom Regierungsviertel Richtung Großer Stern im Stadtteil Tiergarten. Um kurz vor fünf Uhr haben sich bereits mehrere Hundert Aktivisten von der Umweltschutzbewegung Extinction Rebellion auf dem Verkehrsknotenpunkt versammelt, eine Stunde später meldet die Polizei bereits 1000 Aktivisten. Bei drei Grad Celsius sind die meisten bestens vorbereitet: Sie tragen Thermodecken, haben Schlafsäcke dabei, einige joggen in kleinen Grüppchen um die Siegessäule, um sich warm zu halten. Andere schlafen auf Isomatten auf der Straße. Das alles nehmen sie auf sich, um mehr Klimaschutz zu fordern.

Unter den Demonstranten in Berlin herrscht Aufbruchstimmung, es gibt Trommelkreise, Sprechchöre, kleinere Gruppen tanzen im Kreis. Es sind zumeist junge Menschen, teilweise im Schulalter. Man hört einige Gruppen Englisch reden, auch aus Schweden sind Aktivisten gekommen. Mit Kreide schreiben sie Slogans auf die Straße wie „Sagt die Wahrheit“, „Time to act“ (Zeit zu handeln) oder „Blockieren statt krepieren“.

Eva Escosa-Jung von Extinction Rebellion sagt zu der ersten Aktion in Berlin: „Heute beginnt die weltweite Rebellion gegen das Aussterben. Wir stören, weil wir keinen anderen Weg sehen, um den umfassenden und tiefgreifenden Wandel herbeizuführen, der das Klima rettet.“ Die Klimapolitik der Regierung habe versagt. „Wälder brennen, die Meeresspiegel steigen, die Ozeane übersäuern, und weltweit sterben Wildtiere massenhaft aus – der Menschheit droht eine lebensbedrohende Katastrophe.“ Extinction Rebellion wende keine Gewalt, sondern Kreativität an.

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