86-jährige Juristin will Trumps Pläne durchkreuzen

Eine Richterin – verehrt wie ein Rockstar

Die liberale US-Richterin Ruth Bader Ginsburg kämpft unter anderem  für die Rechte von Frauen und Homosexuellen.FOTO: AP / Jessica Hill

Washington. Die 86-jährige kranke Verfassungsrichterin Ruth Bader Ginsburg bleibt im Dienst, um Trumps Pläne eines weiteren Hardliners am Supreme Court zu durchkreuzen.

Das Bild, zwei Stockwerke hoch, zeigt eine ältere Frau mit streng zurückgekämmtem Haar und einer Brille, deren rötliches Gestell an Popkultur denken lässt. Ruth Bader Ginsburg trägt die schwarze Robe, die sie auch im Gerichtssaal trägt, und um den Hals einen kunstvollen Kragen. Mit professionellem Lächeln und leicht skeptisch wirkendem Blick schaut sie auf die U Street herunter. Auf eine Straße, an der 1968 die Läden brannten, als der Mord an Martin Luther King schwere Unruhen auslöste, die aber mittlerweile als eine der angesagtesten in Washington gilt. Irgendwann im Spätsommer hat eine Künstlerin das Bild an eine karmesinrote Hauswand gemalt, und nun thront die Frau in der Robe über einer Bäckerei namens Bread Bite, als wäre sie deren Schutzengel.

Ruth Bader Ginsburg ist seit gut einem Vierteljahrhundert Verfassungsrichterin. Sie ist aber auch „The Notorious RBG“ (“die berüchtigte RBG“), wie ihre Fans sie in Anspielung auf den Rapper Biggie Smalls alias „Notorious BIG“ nennen. Zwei Kinofilme beschäftigen sich mit ihrer Karriere, ihrem Kampf für die Rechte der Frau. In unzähligen Varianten gibt es T-Shirts mit ihrem (bisweilen gekrönten) Konterfei. Im Internet gibt es sogar Anleitungen, wie man sich an Halloween verkleiden muss, um als RBG um die Häuser zu ziehen. Bei Saturday Night Live, der Satire-Kultshow, spielte Kate McKinnon, die auch schon Hillary Clinton parodierte, eine Ruth Bader Ginsburg, die in großen Mengen Vitaminpulver schluckt, um Donald Trump noch lange die Stirn bieten zu können. Einem Mann, über den die echte RBG einmal sagte, er sei ein Falschspieler, der obendrein keinerlei Beständigkeit erkennen lasse, sondern das sage, was ihm gerade durch den Kopf gehe. Es waren Anmerkungen, für die sie sich im Wahljahr 2016 entschuldigen musste.

Im September, da plauderte sie in Little Rock, der Hauptstadt des eher ländlichen Bundesstaats Arkansas, auf einer Bühne über ihr Leben, mussten die Organisatoren eine Sportarena mit achtzehntausend Plätzen anmieten. Der ursprüngliche Veranstaltungsort wäre dem Interesse nicht annähernd gerecht geworden. „Wir mögen sie, weil sie sich so gar nicht verstellt in einer Welt, die voll ist von Leuten, die dir etwas vorzumachen versuchen“, versuchte der Ex-Präsident Bill Clinton, der eine kleine Laudatio hielt, das Phänomen zu erklären.

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