Der Sommer 1969

Woodstock kann es nur einmal geben

Ein berauschtes Menschen-Meer: Die Besucher des Woodstock-Festivals in Bethel versammeln sich am 16. August 1969 vor der Bühne. Die geplante Neuauflage des berühmt-berüchtigten Woodstock-Festivals zum 50. Jubiläum hätte sicherlich auch Tausende angezogen – wäre es nicht kurzfristig abgesagt worden. FOTO: dpa / Marty Lederhandler

Bethel. Im Sommer 1969, vor ziemlich genau 50 Jahren, stieg in den USA ein Festival, das zum Mythos einer ganzen Generation geworden ist.

Es klang nach einem Plan. Mit seinem Kumpel Tony Tufano wollte Jim Shelley am Freitagabend nach Woodstock fahren, um sich einen guten Platz auf der Wiese zu sichern. Am Samstagabend sollte es zurückgehen nach Cliffside Park, New Jersey, knapp zwei Autostunden entfernt. Und Sonntagfrüh wieder hin. Dann aber mit Joyce, Jims Freundin, deren Eltern dem Mädchen verboten hatten, eine Nacht allein mit einem Jungen auf einer Wiese zu verbringen. „Sie können sich vorstellen, wie gründlich der Plan ins Wasser fiel“, sagt Shelley, spricht augenzwinkernd von jugendlicher Naivität und zeigt eines seiner Fotos. Ein zugeparkter Highway, auf dem nichts mehr ging.

Jim Shelley war damals, im August 1969, 19 Jahre alt. Kein Hippie, sondern ein ganz „normaler“ Teenager. Und Woodstock war nicht Woodstock, sondern ein Dorf namens Bethel, malerisch gelegen in den Catskills, einem Mittelgebirge mit stillen Seen. Woodstock, der Ort, rund 90  Kilometer entfernt, hatte sich einen Ruf als Rückzugsort der Kreativen erworben, seit Bob Dylan Mitte der Sechziger dort hingezogen war. Die vier Jungunternehmer, die die Firma Woodstock Ventures gründeten, um ein Freiluftkonzert zu veranstalten, bedienten sich des Namens, weil sie ein Lebensgefühl vermitteln wollten. Das Gefühl, rebellisch, aber lässig gegen den Strich zu bürsten.

Zunächst sollte ihr Festival in Wallkill über die Bühne gehen, näher an New York. Was sich zerschlug, als die Bürger von Wallkill kalte Füße bekamen angesichts des zu erwartenden Ansturms von jungen Menschen mit langen Haaren, die womöglich Rauschgift in ihren Rucksäcken haben würden. Vier Wochen vor dem Konzert sprang Max Yasgur ein, der größte Milchbauer der Region, dem am Rande von Bethel eine sanft gewellte Wiese gehörte. Nur war die Zeit knapp, zu knapp etwa, um einen lückenlosen Zaun um das Gelände zu ziehen und Kassenhäuschen aufzustellen. Da nirgends Eintrittskarten kontrolliert werden konnten, erklärten die Organisatoren Woodstock zu einem freien Konzert, womit sie den finanziellen Ruin in Kauf nahmen. „In Woodstock lief nichts, wie es laufen sollte, und deshalb wurde es Woodstock“, sagt Shelley.

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