Häufung in Frankreich und in Gelsenkirchen

Fehlbildungen bei Babys geben Rätsel auf

Im Sankt Marien-Hospital Buer in Gelsenkirchen sind zwischen Juni und Anfang September drei Babys mit Hand-Fehlbildungen zur Welt gekommen. FOTO: dpa / Marcel Kusch

Paris/Mainz. Die ungewöhnliche Häufung bei Neugeborenen in Gelsenkirchen lassen in Frankreich aufhorchen, wo es ähnliche Fälle gibt.

Der Bericht ist für einen Laien kaum verständlich. Auf 265 Seiten erklären Experten in sperriger Technokratensprache, dass es keine Besonderheiten gebe. Die Häufung von „Fehlbildungen an den oberen Extremitäten“ bei Babys in Frankreich sei statistisch nicht auffällig, so die zentrale Schlussfolgerung, weitere Untersuchungen seien nicht notwendig. Die betroffenen Familien reagieren entsetzt, sie hatten sich Aufklärung und Hilfe erwartet und wurden enttäuscht. Seit 2018 wird in Frankreich immer wieder berichtet, dass in einigen Regionen des Landes ungewöhnlich viele Kinder ohne Finger, Hände oder Arme geboren werden. Das Phänomen ist inzwischen unter dem Schlagwort „bébés sans bras“ (Babys ohne Arme) im ganzen Land ein Begriff.

Für ein Aufhorchen – auch in Frankreich – sorgt in diesen Tagen nun eine ungewöhnliche Häufung von Handfehlbildungen bei Neugeborenen in einer Gelsenkirchener Klinik. Im Sankt Marien-Hospital Buer waren in zwölf Wochen drei Kinder mit fehlgebildeten Händen zur Welt gekommen. Auch hier ist das Problem die Datengrundlage. „Das mehrfache Auftreten jetzt mag auch eine zufällige Häufung sein. Wir finden jedoch den kurzen Zeitraum, in dem wir jetzt diese drei Fälle sehen, auffällig“, schreibt die Klinik auf ihrer Internet-Seite. In Nordrhein-Westfalen will das dortige Gesundheitsministerium nun alle Kliniken im Land abfragen, ob dort ähnliche Fälle vorgekommen sind.

In Frankreich gehen die betroffenen Eltern nun in die Offensive. Axelle Laissy, deren inzwischen sechsjähriger Sohn Louis ohne Finger an der rechten Hand geboren wurde, hat im August Anzeige gegen Unbekannt wegen fahrlässiger Körperverletzung erstattet. Sie wirft den zuständigen Gesundheitsbehörden vor, nicht energisch genug nach den Gründen gesucht zu haben. Denn auffällig in ihren Augen ist, dass die meisten Fehlbildungen in eng begrenzten Gebieten auftreten. So sind allein im Verwaltungsbezirk Ain, nordöstlich von Lyon, zwischen 2000 und 2014 mindestens 18 Fälle registriert worden. Auch in den Départements Morbihan in der Bretagne und Loire-Atlantique im Nordwesten Frankreichs haben sich auffallend viele betroffene Eltern gemeldet. Über die Ursache kann im Moment allerdings nur spekuliert werden. So sollen viele der betroffenen Familien in der Nähe von Feldern leben, weshalb der Verdacht im Raum steht, Pestizide könnten für die Fehlbildungen verantwortlich sein. Sie könnten das Trinkwasser verunreinigt haben.

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