Gegenseitige Schuldzuweisungen aus London und Brüssel

Der finale Streit um den Brexit hat begonnen

Brexit-Hardliner sind besonders stolz auf ihr Land und seine Flaggen, die hier an einem Souvenirstand in London angeboten werden. Jetzt behaupten sie, Deutschland wolle ihr stolzes Land mit dem EU-Austrittsabkommen unterwerfen. FOTO: dpa / Michael Kappeler

London. Wer ist verantwortlich dafür, sollte das Königreich am Ende ohne Abkommen aus der EU scheiden? Die gegenseitigen Schuldzuweisungen aus London und Brüssel nehmen an Schärfe zu.

Der Showdown über die Zukunft des Vereinigten Königreichs fällt auf einen Samstag. Am 19. Oktober sollen die britischen Abgeordneten zusammenkommen, um – keine zwei Wochen vor dem offiziellen Austrittstermins des Landes aus der EU am 31. Oktober – in einer Sondersitzung zu entscheiden, wie es weitergeht. Es dürfte hässlich werden, das zeigen die jüngsten Dramen auf der Insel. Die Frage ist, in welchem Maß die Situation bis dahin eskaliert.

Viele Beobachter erkennen in diesen Tagen bereits einen neuen Tiefpunkt. Selbst britische Europaskeptiker haben irritiert reagiert, als Downing Street nach einem Telefonat mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verbreiten ließ, dass eine Einigung im Brexit-Streit „im Grunde jetzt und auf lange Zeit unmöglich“ geworden sei. Würde die Bundeskanzlerin wirklich jene Worte nutzen, die dann kolportiert wurden? Insider meinen nein, doch „die feindselige Art“, wie das Gespräch der beiden Regierungschefs dargestellt wurde, mache die Agenda von Premierminister Boris Johnson deutlich, schrieb ein britischer Kommentator.

Angeblich habe Merkel einen Deal für „überaus unwahrscheinlich“ erklärt. Der Grund: Die EU fordert, dass Nordirland in der Zollunion verbleibt, um eine harte Grenze zu vermeiden. London lehnt das kategorisch ab. In Brüssel versuchte man gestern, die Situation etwas zu entschärfen, nachdem auch EU-Ratspräsident Donald Tusk den Premier am Vortag vor einem „dummen Schwarzer-Peter-Spiel“ gewarnt hatte. Man werde die Verhandlungen konstruktiv weiterführen, beruhigte Chefunterhändler Michel Barnier, selbst dann, wenn die Emotionen in Großbritannien hochkochten.

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