Finanzminister Scholz will Männervereinen die Steuervorteile streichen

Mein lieber Herr Gesangsverein!

Musikvereine, in denen nur Männer den Marsch blasen, sollen bald keine Steuervorteile mehr haben. FOTO: istock / istock; Montage: Lorenz

Berlin. Männerchöre und andere Vereine, die keine Frauen aufnehmen, müssen um Steuervorteile bangen.

(dpa/PM) Der Hamburger Ruderclub „Allemannia von 1866“ hat rechtzeitig das Ruder rumgerissen. Seit diesem Jahr nimmt der Verein, für den Olaf Scholz zu seiner Zeit als Hamburger Bürgermeister in die Riemen griff, auch Frauen auf. Zuvor waren die Männer unter sich, mehr als 150 Jahre lang – und hatten ihre Bastion stolz verteidigt. Bis das Finanzamt anklopfte und mit dem Entzug der Gemeinnützigkeit drohte. Solche Behördenpost könnte nun noch viel mehr Clubs bevorstehen. Denn Scholz, inzwischen Vizekanzler und Finanzminister, will Vereine, die grundsätzlich keine Frauen aufnehmen, bundesweit nicht mehr als gemeinnützig anerkennen. „Wer Frauen ausschließt, sollte keine Steuervorteile haben und Spendenquittungen ausstellen“, sagte er der „Bild am Sonntag“.

2017 hatte der Bundesfinanzhof einer Freimaurerloge bereits die Gemeinnützigkeit abgesprochen, weil sie Frauen ohne sachlichen Grund ausschloss. Diese Entscheidung sei eigentlich für alle Finanzämter in Deutschland verbindlich, heißt es beim Bundesfinanzministerium. Doch sie führte zu vielen Nachfragen – und lange nicht alle Ämter handelten so konsequent wie die Hamburger.

Die schrieben zuletzt nicht nur Männer-Rudervereine an, sondern auch den Hamburger Ruderinnen-Club an der Alster, der jahrzehntelang nur Frauen akzeptierte. Man einigte sich: Männer müssen künftig aufgenommen werden – doch sie müssen nicht mit im Boot sitzen dürfen.

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