70. Gründungstag der Volksrepublik

Chaos in Hongkong, Säbelrasseln in Peking

Mit einer riesigen Parade in der Hauptstadt Peking feierte China am Dienstag den 70. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik am 1. Oktober 1949. FOTO: dpa / Lan Hongguang

Peking/Hongkong. Zum 70. Gründungstag zeigt die Volksrepublik Stärke. Trotzdem stören Ausschreitungen in Chinas Sonderverwaltungszone die Party.

Militärparade in Peking, Ausschreitungen in Hongkong. Der Widerspruch am 70. Jahrestag der Volksrepublik China hätte kaum krasser sein können. Doch hängt beides eng zusammen: Mit der Demonstration militärischer Stärke schickt Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping auch eine Warnung an die Hongkonger Demokratiebewegung, es nicht zu weit zu treiben. Trotzdem oder gerade deswegen verderben die Demonstranten in der chinesischen Sonderverwaltungsregion der kommunistischen Führung die Geburtstagsparty in Peking.

Aktivisten blockieren Straßen, werfen Brandsätze, liefern sich Straßenschlachten mit Polizeikräften, die mit Tränengas und Wasserwerfern reagieren. Zehntausende nehmen trotz eines Verbots der Behörden an Demonstrationen teil. Es herrscht Chaos auf den Straßen der früheren britischen Kronkolonie. Polizisten geben Warnschüsse ab – ein Demonstrant wird getroffen und verletzt. „Die Macht kommt aus den Gewehrläufen“, hatte schon der Revolutionär Mao Tsetung gesagt, der am 1. Oktober 1949 die Gründung der Volksrepublik ausgerufen hatte.

An dessen Erbe knüpft Xi Jinping an. Er hat zusätzlich Truppen nach Hongkong und an die Grenze geschickt. „Genossen, wie geht es Euch?“, ruft der Oberkommandierende im schwarzen Mao-Anzug in der „Rote Fahne“-Limousine stehend in vier große Mikrofone, während er die Formationen abfährt. „Genossen, Ihr habt es nicht leicht!“, weiß er die Anstrengungen mit einem typischen Spruch zu würdigen. „Dem Volke dienen!“, schallt es aus den Kehlen Tausender Soldaten zurück. Doch etwas ist neu: Anders als seine direkten Vorgänger nennen ihn die Soldaten nicht „Führer“ (Shouzhang), sondern „Vorsitzender“ (Zhuxi), so wie einst „den großen Vorsitzenden“ Mao Tsetung. Sie unterstreichen damit die Allmacht des heutigen Parteichefs, der nach einer Verfassungsänderung bis an sein Lebensende im Amt bleiben kann.

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