Sexueller Missbrauch

„Ich will, dass es aufhört“

Bei sexuellem Missbrauch von Kindern wird häufig weggesehen. Das symbolisiert diese Illustration im Stil eines Kirchenfensters. Die katholische Kirche hatte Aufklärung und Aufarbeitung versprochen. FOTO: picture alliance / dieKLEINERT.de / dpa Picture-Alliance / Matthias Töpfer

Berlin. Zehn Jahre nach dem Missbrauchsskandal fehlt es immer noch an wirksamen Konsequenzen. Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig zieht eine weitgehend ernüchternde Bilanz.

Zehn Jahre nach dem Bekanntwerden von Fällen sexuellen Kindesmissbrauchs in kirchlichen Einrichtungen hakt es immer noch bei der Aufarbeitung und den nötigen Konsequenzen. „Es ist keine rosige Bilanz“, meinte der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, am Dienstag in Berlin. Nötig sei ein „Pakt gegen Missbrauch“.

Eine Lehrerin ruft an, nachdem sie auf dem Computer des Schuldirektors zufällig kinderpornografisches Material entdeckte. Ein Vater meldet sich, weil ihm seine Tochter von sexuellen Übergriffen des Opas berichtete. Nur zwei von fast 100 000 Telefonaten, mit denen es die Mitarbeiter vom „Hilfetelefon Sexueller Missbrauch“ bislang zu tun bekamen. Eingerichtet wurde die Hotline unter der Rufnummer (0800) 2 25 55 30 kurz nach dem Bekanntwerden zahlreicher Missbrauchsfälle am katholischen Gymnasium Canisius-Kolleg in Berlin im Januar 2010. Doch nach wie vor kommen ständig neue Fälle ans Licht. In Kitas und Schulen, aber vor allem im familiären Bereich.

Ausweislich der Polizeilichen Kriminalstatistik werden in Deutschland pro Jahr mehr als 20 000 Vorgänge von sexuellem Kindesmissbrauch und Kinderpornografie registriert. Nach Einschätzung von Rörig wird dieser Missstand jedoch weitgehend ignoriert. „Ich bin immer wieder erschrocken darüber, mit welcher Gelassenheit sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche von Teilen der Gesellschaft hingenommen wird“, klagte er vor Journalisten in Berlin. Matthias Katsch von der Betroffenen-Initiative „Eckiger Tisch“ zog ebenfalls ein ernüchterndes Fazit: Noch immer werde das Thema „nicht als zentrale gesellschaftliche Herausforderung für unser Land angenommen“. So habe die katholische und die evangelische Kirche die Aufklärung und Aufarbeitung „vielfach verschleppt“. Erst jetzt würden sie damit beginnen, sich ihrer Verantwortung zu stellen, sagte Kratsch.

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