Triumph in Amsterdam

Eine Belohnung für den Bundestrainer

Amsterdam. Nach dem WM-Debakel stand Joachim Löw massiv in der Kritik. Das unerwartete 3:2 der deutschen Nationalelf zum Auftakt der EM-Qualifikation in den Niederlanden verschafft ihm viel Kredit für seinen späten Verjüngungskurs.

Joachim Löw stieg „innerlich sehr zufrieden“ in den Flieger Richtung Heimat, doch als persönlichen Triumph über alle Zweifler sah er den Coup von Amsterdam nicht. „Ich empfinde es gegenüber den Kritikern nicht als Genugtuung“, sagte der Bundestrainer, wobei er beim Wort „Genugtuung“ sauertöpfisch das Gesicht verzog. „Wenn meine Mannschaft die Dinge so gut umsetzt“, betonte Löw, „dann bin ich positiv – egal, was außenrum passiert.“ Aber natürlich weiß auch Löw: Das unerwartete 3:2 (2:0) der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zum Auftakt der EM-Qualifikation in Amsterdam gegen die zuvor hochgehandelten Niederländer erleichtert ihm das Arbeiten immens. Zumal 12,3 Millionen Fernsehzuschauer die Partie zu Hause verfolgten. Der teils stark kritisierte Löw hat sich mit dem ersten Sieg beim Erzrivalen seit 23 Jahren viel Kredit für seinen späten, dann aber mit voller Wucht eingeleiteten Umbruch verschafft.

„Die Trainer sind von dem Weg voll überzeugt, aber natürlich tut das der Seele und der Moral gut“, gab Nationalelf-Direktor Oliver Bierhoff zu, „auch wenn man Einwechslungen macht, die aufgehen.“ Löw hatte gegen Oranje mit den Vorbereitern Ilkay Gündogan und Marco Reus den Last-Minute-Siegtreffer von Nico Schulz (90.) quasi eingewechselt. Auch mit seinem Dreiersturm lag Löw goldrichtig. Die Torschützen Leroy Sané (15.) und Serge Gnabry (34.) spielten die Holländer um Abwehrhüne Virgil van Dijk in der ersten Halbzeit schwindelig, Aushilfsstürmer Leon Goretzka riss vorne Lücken und schloss selbige hinten.

„Wir haben die PS auf die Straße gebracht“, sagte der Bundestrainer über den teilweise begeisternden Auftritt in der Johan-Cruyff-Arena. An selber Stelle war die DFB-Auswahl vor fünf Monaten von Oranje noch überrollt und mit 0:3 gedemütigt worden. Erst danach hatte Löw wirkliche Konsequenzen aus dem WM-Debakel gezogen und dem Team eine Verjüngungskur verpasst – jetzt wurde er reich belohnt.

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