Judoka Jasmin Grabowski

„Die Situation macht einen kirre im Kopf“

In Rio war für Jasmin Grabowski 2016 bei ihrem Olympia-Debüt in der ersten Runde Schluss. Für Tokio 2020 hat sich die Judoka des 1. JC Zweibrücken viel vorgenommen. Nun sind die Spiele auf das kommende Jahr verschoben.FOTO: dpa / Felix Kastle

Zweibrücken/Köln . Eine Verschiebung der Olympischen Sommerspiele in der jetzigen Lage mache Sinn, betont Judoka Jasmin Grabowski vom 1. JC Zweibrücken, die momentan im Homeoffice trainiert. Dennoch sei es eine schwierige Situation für die Athleten.

Die große Ungewissheit in Zeiten der Coronavirus-Pandemie macht auch vor dem Sport nicht halt. Olympiakandidaten können nicht wie gewohnt trainieren, wussten bislang nicht einmal, ob sie ihren Schweiß gerade überhaupt für den großen Saison-Höhepunkt im Sommer lassen. Doch auch mit dem Entschluss, dass die Spiele auf 2021 verschoben werden, sind noch lange nicht alle Fragen gelöst. Damit zu kämpfen haben auch die beiden vorläufig für die Spiele in Tokio nominierten Judoka des 1. JC Zweibrücken, Jasmin Grabowski und Martyna Trajdos. „Ein Jahr länger, die Ziele bleiben die gleichen“, schrieb Trajdos am Dienstag auf Instagram als Reaktion auf die Olympia-Verschiebung.

Noch vor vier Wochen war an diese Entscheidung des nternationalen Olympischen Komitees (IOC) nicht zu denken. Da lief auch für die deutschen Judoka alles noch in gewohnten Bahnen. Nach dem Heim-Grand-Slam in Düsseldorf wurden Grabowski (Klasse über 78 Kilogramm) und Trajdos (Klasse bis 63 Kilogramm) vom Deutschen Judobund Ende Februar in den vorläufigen Kader für Tokio berufen. Dann ging es ins Trainingslager auf die Kanareninsel Lanzarote. Dort wurden die ersten Auswirkungen durch das Coronavirus deutlich. „Wir waren regulär zwei Wochen dort. Als dann gegen Ende stündlich immer mehr nachfolgende Maßnahmen und Wettkämpfe abgesagt wurden, haben wir die Möglichkeit bekommen, um eine Woche zu verlängern“, erklärt Jasmin Grabowski. Von einigen Athleten wurde das dankend angenommen. Martyna Trajdos und Grabowski selbst entschieden sich jedoch dazu, nach Hause zu fliegen. „Das war eine der besten Entscheidungen meines Lebens“, erklärt die 28-Jährige, der noch immer die Erleichterung in der Stimme anzuhören ist. Bereits während des Boardings kamen die Nachrichten der Teamkollegen vor Ort, dass der Kraftraum dicht gemacht wurde. Wenn auf Lanzarote selbst zu diesem Zeitpunkt auch erst einzelne Corona-Fälle bekannt waren, musste sich auch dort nach der Abriegelung des spanischen Festlandes an die Ausgangssperren gehalten werden. „Die Athleten konnten eigentlich gar nicht mehr richtig trainieren, außer ein bisschen auf dem Balkon“, erklärt Grabowski. „Ich bekam es dann schon mit der Angst zu tun, als immer mehr Meldungen auch aus Deutschland kamen, ob das alles gut geht.“ Die vor Ort Gebliebenen kamen durch die Rückholaktion, wenn auch alle verspätet, letztendlich gut in die Heimat zurück. „Ich war aber echt froh, in dieser Phase schon Zuhause zu sein.“

Dort konnten die beiden JCZ-Sportlerinnen am Stützpunkt zunächst ihren Konditionsblock noch fortführen. Dann wurde jedoch das Bundesleistungszentrum in Köln, wo die Sportsoldatin lebt, geschlossen. Vorerst bis Ende nächster Woche. Solange die Versammlungs- und Kontaktsperre besteht, werde es wohl aber auch zu bleiben, schätzt Grabowski. Allerdings werde sich derzeit darum bemüht, eine Ausnahmeregelung für das Olympiateam zu bekommen. „In Hamburg gibt es eine solche schon – aber wir müssen abwarten.“

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