Fußball-Schiri mit 78

Schlusspfiff noch lange nicht in Sicht

Udo Klingel ist mit seinen 78 Jahren der älteste Unparteiische der Schiri-Gruppe Homburg. Daran, seine Pfeife an den Nagel zu hängen, denkt er noch nicht.FOTO: Markus Hagen

Homburg. In vielen Vereinen gibt es Unikate, die mit Leib und Seele dabei sind. Der Merkur stellt einige davon vor. Heute: Udo Klingel.

78 Jahre und kein bisschen müde. Noch immer treibt es Udo Klingel auf den Sportplätzen und in den Hallen der Region um, um seiner Leidenschaft als Schiedsrichter nachzugehen. „Fußball als Spieler und nun seit über 30 Jahren als Schiedsrichter ist einfach mein Leben. So lange ich gesundheitlich dazu in der Lage bin, mache ich weiter“, sagt der rüstige Sportsmann, der sich absolut fit fühlt und daher noch lange nicht ans Aufhören denkt.

Lange Zeit spielte er aktiv Fußball beim SC Union Homburg, für den er heute weiter als Schiedsrichter unterwegs ist. Aber auch als Leichtathlet und Handballer beim TV Beeden sowie als Handballer beim TV Homburg war Klingel sportlich aktiv, ehe er sich seit Ende 1987 die Pfeife umhängt. „Ich hatte schon länger den Gedanken, als Schiedsrichter tätig zu werden“, blickt er weit zurück. Ein fehlendes Auto und damit die fehlende Mobilität, um im Saarpfalz-Kreis auf die Plätze zu den Spielen fahren zu können, war der Grund, weshalb Udo Klingel erst im Alter von 47 Jahren seine Prüfung im November 1987 ablegte und seitdem in allen Fußballkreisen als ruhiger und sachlicher Mann an der Pfeife bekannt ist.

„Ich bin kein Schiri, der mit entsprechenden Gesten aufzeigt, dass er der Mann auf dem Platz ist, der das Sagen hat. Bei Fehlverhalten rede ich kurz mit dem Spieler und sage ihm ruhig, was Sache ist.“ Klar, dass er in den vielen Jahren als Schiedsrichter schon Vieles erlebt hat. Geschichten über Geschichten. Stolz ist Udo Klingel vor allem, dass er in über 30 Jahren als Schiedsrichter mit nur ganz wenigen Roten Karten ausgekommen ist. „Fast alle Spieler haben Respekt und hören auf meine Warnung, wenn er wegen wiederholten Foulspiels kurz vor einem Platzverweis steht.“ Bei einem Kreisligaspiel in Blieskastel war es anders. Ein mit Gelb vorgewarnter Spieler ließ sich vorzeitig auswechseln, um der Ampelkarte zu entgehen. „Nach dem Abpfiff gab es aber wüste Beschimpfungen von diesem Spieler in meine Richtung. Also sah er außerhalb vom Spielfeld den Roten Karton.“ Nach der langen Sperre dieses Spielers gab es später ein Wiedersehen auf dem Platz. „Dieses Mal war er ganz zahm und fast richtig nett. Er hat also doch aus dem Vorfall gelernt“, blickt Udo Klingel mit einem Schmunzeln zurück an den Fall.

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