Großer Erfolg

„Ich habe mit gar nichts gerechnet“

Niklas Betz voll in seinem Element. FOTO: Cordula von Waldow

Limbach/Großsteinhausen. Reiten: Limbacher Niklas Betz war selbst total überrascht über seinen Bronzeplatz bei der DM.

Niklas Betz kann es noch gar nicht fassen. Für ihn selbst völlig unerwartet, gewann er bei der DM der Landesmeister im Rahmen der Braunschweiger Löwenclassics Bronze. Mit diesem dritten Platz im Finale der drei Besten und der Silberplatzierung in der zweiten Wertungsprüfung – ebenfalls auf Drei-Sterne-Niveau – ersprang sich der 19-jährige Altstadter zugleich sein Goldenes Reitabzeichen. „Ich habe mit gar nichts gerechnet“, staunte der Sohn einer passionierten Limbacher Reiterfamilie nach seiner Rückkehr. Sein Onkel und langjähriger Ausbilder, Saarland-Landestrainer Manfred Reitmeier, hatte ihn zu dem Start unter den erwachsenen Landesmeistern in Braunschweig motiviert. Mit seinem Schimmelwallach Contan lief es in allen drei Durchgängen perfekt: dreimal Null, Rang Sieben, Silber, Bronze. „Die Halle ist klein und oval und damit extrem schwer zu reiten, da folgen die Hindernisse sehr schnell aufeinander. Aber Contan sprang einfach super“, schwärmt Betz.

Auch seinen ersten, riesengroßen Erfolg feierte der damals 13-Jährige völlig unerwartet. Beim Preis der Besten in Warendorf gewann er 2011 mit dem Schimmelwallach Kevin in der Childrenklasse neben der Tour auch den Titel. „Ich wusste gar nicht, wie mir geschah, als ich vorreiten musste, um Schärpe und Pokal in Empfang zu nehmen“, sagt er lachend. Sofort wurde er in den Bundeskader berufen, erhielt das Sacko mit dem deutschen Adler und ritt gleich mit der Stute Caretinija seinen ersten Nationenpreis. Zum ersten Mal unter den Klängen der Nationalhymne einzureiten und für Deutschland aufgerufen zu werden, ist eine Erinnerung, die noch heute Gänsehaut auslöst. „Wir kamen mit der Mannschaft aufs Treppchen“, erinnert er sich an ein ähnliches Ergebnis auch beim zweiten Nationenpreis.

„Ich wollte immer reiten“, sagt Niklas Betz. Ein einziges Spiel lang versuchte er sich mit Fußball – um dann lieber in den Sattel zurückzukehren. „Das Spiel haben wir verloren und beim Reiten lief es damals schon echt gut“, sagt er und muss grinsen. Mit fünf erhielt er seinen ersten Reitunterricht. Auf einem dicken, weißen Shettlandpony, das einfach nur „Pony“ hieß, begann die Turnierkarriere in der Führzügelklasse. Bald darauf ging es unter Anleitung von Manfred Reitmeier über die ersten Hindernisse. Erst mit Mirage, dann mit dem Pony Moritz folgten Reiterwettbewerbe, Dressur und die ersten kleinen Springprüfungen. Sein Pony Tobi trug Niklas über A-Zwei-Sterne. „Er ist jetzt um die 25 und erhält bei uns sein Gnadenbrot.“ Mit den beiden Sportponys Gispsy und Pamenia sattelte der mehrfache Landesmeister bis zur mittelschweren Klasse, auch weit über das Saarland hinaus. 2010 siegte Betz im Finale der süddeutschen Ponymeisterschaften. Mit Kevin erhielt der junge Saarländer dann sein wichtigstes Lehrpferd. „Er kam eher zufällig zu mir“, erinnert sich Betz an das Pferd, „das keinen Fehler verzeiht“. Mit dem erfahrenen Lehrmeister bestritt der damals Zwölfjährige sein erstes schweres Springen, erritt sich seinen ersten Sieg in der schweren Klasse. „Er gab mir Vertrauen und Sicherheit, gerade über die Höhen. So konnte ich auch die unerfahrene Caretinija gleich in S mit aufbauen“, erinnert sich Betz an die Grundlagen für sein Goldenes Abzeichen. Mit seiner Stute zog er 2014 als 15-Jähriger ins Finale des HGW-Bundesnachwuchschampionats ein. Auch als Junior durfte er einmal die deutschen Farben vertreten. „Das verdanke ich alles nur Manfred Reitmeier, meinen Eltern und unserer ganzen Familie, die mich so massiv unterstützt“, sagt Betz dankbar. Der saarländische Landestrainer erkannte schnell das enorme Talent seines Neffen und förderte ihn entsprechend. Er war es, der Niklas Betz für den Preis der Besten nominierte..
Dabei begann der junge Reiter im Jahr 2016 seine Ausbildung bei Hauter Sporthorses auf dem Großsteinhauserhof. Betz: „Das war meine beste Entscheidung.“ Steffen Hauter und sein Vater Gerhard, beide Träger des Goldenen Reitabzeichens, sind erfahrene Vollprofis im Pferdegeschäft. „Hier bekomme ich noch einmal einen ganz anderen Feinschliff“, weiß Betz um die idealen Möglichkeiten. Im vergangenen Jahr ritt er so bei der deutschen Jugendmeisterschaft in Aachen auf Rang zehn. In seiner Ausbildung hat Betz ständig neue Pferde unterm Sattel. „Er hat sehr gut gelernt, sich schnell auf andere Pferde einzustellen und kann alle Pferdetypen gut händeln“, sagt sein Ausbilder. Deshalb vertraut er ihm auch alle an. Bei Hauter trainiert Betz rund acht Pferde am Tag, zusätzlich seine drei eigenen, die er zum Springtraining aus Altstadt mitbringt. Er legt dabei viel Wert auf einen persönlichen Kontakt zu seinen Reitpferden. „Der gehört einfach dazu. Sie sollen mir ja im Parcours vertrauen, für mich kämpfen,“ erklärt er. Auf dem Großsteinhauserhof findet er beste Bedingungen, einen großen Platz, bunte Hindernisvielfalt – und die beste Unterstützung.

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