Leichtathletik-WM

Raphael Holzdeppe erlebt Final-Debakel

Raphael Holzdeppe FOTO: Rainer Jensen / dpa

London/Zweibrücken. Stabhochspringer des LAZ Zweibrücken scheitert an Einstiegshöhe. Speerwurf-Titelverteidigerin Katharina Molitor wird Siebte.

Ratlos geht der Blick von Raphael Holzdeppe nach oben, er packt sich an den Kopf. Alle Hoffnungen auf eine weitere WM-Medaille sind gestern Abend schnell dahin. Die Latte bleibt auch im dritten Versuch über die Einstiegshöhe von 5,50 Metern nicht liegen. Der Stabhochspringer des LAZ Zweibrücken legt einen Salto nullo hin – und sorgt damit beim Public Viewing in Zweibrücken für sekundenlange Stille.

Der 27-Jährige, der sich schon zu Saisonbeginn zum Ziel gesetzt hatte, seinen WM-Titel von 2013 zurück zu erobern, erlebt gestern im Londoner Olympiastadion ein Debakel. Den ersten Versuch über 5,50 Meter bricht er ab. „Bitte mach es im ersten“, hatte Vater Dieter Holzdeppe Sekunden zuvor vor der Leinwand in der LAZ-Halle noch gehofft. Vergeblich. Auch im zweiten Anlauf passt es am Einstich nicht, Holzdeppe rollt schief auf – und reißt. Von der Nervenstärke, die den Zweibrücker in der Vergangenheit so oft ausgezeichnet hat, die es ihm immer wieder ermöglicht hat, auch im dritten Versuch noch einen draufzupacken, ist gestern Abend nicht viel zu spüren. Verzweifelt wirken die Blicke hinauf auf die Tribüne zu Trainer Andrei Tivontchik. Auch bei den Eltern und Teamkollegen des LAZ liegen die Nerven blank. Obwohl der dritte Versuch besser, die Höhe klar da ist, nimmt der Weltmeister von 2013 und Silbermedaillengewinner von 2015 die Latte im Hinunterfallen doch wieder mit. Stille in der LAZ-Halle. Das Aus für den deutschen Hoffnungsträger, noch bevor der Wettkampf überhaupt richtig begonnen hat.

„In den vergangenen Jahren sind wir mit Erfolgen belohnt worden, dieses Mal hat es nicht sein sollen“, bilanziert der LAZ-Vorsitzende Bernhard Brenner, der als Erster in der Halle wieder Worte findet, niedergeschlagen. Es ist für Raphael Holzdeppe der Tiefpunkt einer durchwachsenen Saison, in der er einige Stabbrüche und einen Materialwechsel zu verarbeiten hatte. „Auch wenn der Saisonverlauf vielleicht nicht für mich spricht, bin ich sehr zuversichtlich“, hatte Holzdeppe vor dem Finale selbst noch große Hoffnungen. „Ich bin in der Form, vorne mitzuspringen, wenn es darum geht, jeden zu schlagen.“ In London schlug er sich selbst, niemand anderen. „Die Enttäuschung ist sehr groß – ich will nicht wissen, wie es ihm jetzt geht“, sagt Vater Holzdeppe. „Das ist frustrierend. Ich bin im Moment einfach enttäuscht über mich selbst“, erklärt der Athlet zerknirscht. Eigentlich habe er sich besser gefühlt als in der Quali. „Ich muss jetzt erstmal analysieren, woran es gelegen hat.“

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