Ehemaliger Diskuswerfer

Ex-Weltrekordler Schmidt: Kein Hass auf die DDR

Diskuswerfer Wolfgang Schmidt 1988 beim deutsch-deutschen Leichtathletik-Länderkampf. Foto: Hartmut Reeh FOTO: Hartmut Reeh

Berlin. Der silbergraue Mercedes 280E wird etwas langsamer, dann biegt der betagte Benz sanft schunkelnd nach rechts ab, der Mann am Steuer hat die Wahl: Alle 17 Parkstreifen sind noch frei.

Er bremst, steigt aus, die Tür klappt, er geht ein paar Schritte, schaut sich um. Alles gut. Ein sonniger Samstag, mittags 11.24 Uhr, Fritz-Lesch-Straße. Die Szene am Sportforum im Osten Berlins mutet an, als stünde die Mauer noch - und ein konspiratives Treffen kurz bevor. Doch diese Zeiten aus grauer Vergangenheit sind längst vorbei, und Wolfgang Schmidt ist heute ganz entspannt und gut gelaunt.

Über 25 Jahre ist er wie vom Erdboden verschluckt. Nun ist er wieder da. Die Gegend kennt er gut. „Das war mal mein Zuhause, meine Heimat, mein Wohnzimmer“, sagt der Mann mit dem Allerweltsnamen, früher mal einer der besten Diskuswerfer der Welt. Noch heute - 41 Jahre nach seinem Weltrekord - führt ihn der internationale Verband IAAF in der ewigen Bestenliste als Nummer 14. Robert Harting ist die 20, sein Olympiasieger-Bruder Christoph wird an Position 55 geführt.

Ein Mann wie ein Baum, Made in East Germany, sogar die Amerikaner bewundern den Ostberliner, diesen Smith. Fast zwei Meter groß und 115 Kilo schwer - schon Jahre vor seiner legalen Ausreise im November 1987 wird der aufmüpfige Riese vom SC Dynamo Berlin in der DDR zum Politikum, zum Ärgernis für die Mächtigen im Arbeiter-und-Bauern-
Staat. Ein Fall für Stasi-Chef Erich Mielke. DTSB-Boss Manfred Ewald, selbstherrlicher Sport-Papst im Osten, tobt. Schmidt wird wegen fehlender politischer „Linientreue“ aus dem Spitzensport verbannt.

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