Neue Töne von Ditib

Isolierter Islam-Verband versucht die Kehrtwende

Köln. Es ist ein Werben um Vertrauen in Zeiten zunehmender Isolation. Die umstrittene Ditib, größte Islam-Organisation in Deutschland, kündigt überraschend einen Neustart an.

Von „ungerechtfertigten Angriffen“ spricht die Türkisch-Islamische Union, aber auch „zum Teil berechtigter Kritik an der Ditib“ und eigenen „Versäumnissen“. Das sind neue Töne vom Bundesverband in Köln, der bisher nicht durch Selbstzweifel aufgefallen ist. Sondern durch Abschottung, spitzelnde Imame, Abhängigkeit von der Regierung in Ankara und ihrer Religionsbehörde Diyanet sowie nicht zuletzt durch nationalistische Äußerungen.

Zeichnet sich eine echte Kehrtwende ab? Man wolle künftig einen „intensiveren Austausch mit Partnern aus Politik, Gesellschaft und Presse pflegen“, ließ die Ditib jüngst wissen. Just, als sie wieder einmal unter Druck geraten war – diesmal wegen einer Islamkonferenz mit Vertretern der radikalen Muslimbruderschaft. Die Reaktionen fallen nun skeptisch, misstrauisch, warnend aus. Die Gräben sind tief.

Die Politik in Bund und Ländern ist schon vor längerem auf Distanz gegangen. Der Bund fördert keine Ditib-Projekte mehr. In Nordrhein-Westfalen liegt die Zusammenarbeit auf Eis. Seit dem Putschversuch in der Türkei 2016 steht die Ditib als verlängerter Arm von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan in der Kritik. Trotz nachdrücklicher Aufforderung hierzulande von allen Seiten, die politische Einflussnahme zu stoppen, hatte Erdogan unlängst offiziell die Kölner Ditib-Zentralmoschee eröffnet – für viele eine Provokation.

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