Angeklagte schuldig gesprochen

Urteil im Köthen-Prozess löst Tumulte im Gerichtssaal aus

Während der Urteilsverkündung kam es zu Tumulten im Saal. Die Familie des Toten reagierte aggressiv auf die Verkündung des Strafmaßes für die beiden Angeklagten. Foto: Hendrik Schmidt FOTO: Hendrik Schmidt

Dessau-Roßlau. Ein Tisch wird umgeworfen, Schreie, die Polizei schreitet ein: Während der Verurteilung zweier junger Männer nach dem Tod eines herzkranken 22-Jährigen in Köthen entlädt sich die Wut der Familie, die im Prozess als Nebenkläger auftritt.

Die Vorsitzende Richterin Uda Schmidt hat am Freitag gerade das Urteil verkündet: Jugendstrafen von einem Jahr und fünf Monaten für den 17-jährigen Angeklagten, ein Jahr und acht Monate für den 19-jährigen Mitangeklagten. Die Afghanen haben aus Sicht der Richter Schuld am Tod des 22-Jährigen. Ihr Verhalten zeuge von fehlender Achtung vor dem menschlichen Leben.

Das Gericht sprach den jüngeren Angeklagten wegen Körperverletzung mit Todesfolge in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung schuldig. Bei dem Älteren wurde bei der Strafe ein vorangegangener Angriff auf einen Landsmann im Streit um eine Vaterschaft sowie der länger zurückliegende Diebstahl einer Flasche Rum einbezogen. Der 19-Jährige soll zudem wegen Alkoholabhängigkeit in eine Entzugsanstalt.

Als die Vorsitzende Richterin Schmidt erklärte, wie schwierig die Beweisaufnahme wegen unterschiedlicher - teils unwahrer - Zeugenaussagen gewesen sei, sprang ein Bruder des Opfers auf und schrie: Er habe doch gesehen, wie auf den 22-Jährigen eingetreten worden sei. Sein Unmut über das Strafmaß war so groß, dass der kräftige Mann einen schweren Tisch umwarf. Polizisten eilten Justizbeamten im Gerichtssaal zu Hilfe, die Angeklagten wurden kurzzeitig aus dem Raum geführt.

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