Flügel-Wortführer

AfD in Thüringen stark - trotz oder wegen Höcke?

Björn Höcke, AfD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Thüringen und Wortführer des rechtsnationalen AfD-Flügels, spricht in Bad Langensalza. Foto: Michael Reichel/dpa FOTO: Michael Reichel

Erfurt/Berlin. „Diesen Weg auf den Höhen bin ich oft gegangen“, schallt es aus den Lautsprechern. Nach dem Rennsteiglied, der heimlichen Thüringer Nationalhymne, folgt eine Polka - dann erscheint Björn Höcke auf der kleinen Bühne mit den AfD-Logos.

Der AfD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl am Sonntag in Thüringen und umstrittener Wortführer des rechtsnationalen AfD-Flügels hat Dutzende dieser Auftritte im Wahlkampf absolviert.

Und er hat seine Zuhörer. Auch wenn er wie in Erfurt fast eine Stunde über „AfD-Bashing“ redet, gemeint ist die öffentliche Beschimpfung durch die „Kartellparteien“, oder über eine „Multikulturisierung“ Deutschlands, oder über Studien, wonach sich viele Ostdeutsche nicht trauten, ihre Meinung offen zu sagen. Auf Kritiker, die der AfD vorwerfen, sie sei Stichwortgeber für Rechtsextremisten wie den Attentäter von Halle, der Menschen in einer Synagoge ermorden wollte, geht der AfD-Spitzenmann nicht ein. Außer den AfD-Anhängern direkt vor der Bühne bleiben viele Menschen stehen, manche machen ein Handyfoto von Höcke. Viele gehen aber auch schnell vorbei. „Hier fühle ich mich ein bisschen unwohl“, raunt eine Frau.

Nach den jüngsten Wahlumfragen könnte die AfD 20 bis 24 Prozent der Stimmen bei der Landtagswahl bekommen (2014: 10,6 Prozent). Das wäre ein starker Zuwachs, aber weniger als im Nachbarland Sachsen vor zwei Monaten, wo sie zweitstärkste Partei mit 27,5 Prozent wurde. Die Zahl der AfD-Abgeordneten im Landtag dürfte sich quasi verdoppeln, auch wenn die Partei hinter der Linken und möglicherweise der CDU landet.

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