Johnson stolz auf internationalen Stammbaum

Brexit-Premier mit europäischen Wurzeln

Boris Johnson hat selbst Ahnenforschung betrieben. FOTO: dpa / Jeff J Mitchell

London. Boris Johnson kann ohne Zweifel mit großer Wortgewalt Geschichten erzählen, je nach Tagesform lehnen sie sich an der Wahrheit an oder auch nicht. Und so hat sich der neue Premierminiester des Vereinigten Königreichs in der Vergangenheit nicht nur als Autor einen Namen gemacht, sondern vor drei Jahren auch einen Schmähgedichte-Wettbewerb gewonnen.

Einem Magazin ging es darum, das beste satirische Gedicht über Recep Tayyip Erdogan zu finden – um Solidarität mit ZDF-Moderator Jan Böhmermann zu bekunden, der den türkischen Präsidenten verhöhnt hatte. Johnsons fünfzeiliger Reim setzte sich gegen tausende andere durch.

Darin bezeichnete der britische Politiker Erdogan als einen „jungen Typen aus Ankara“, der sich mit einer Ziege „die Hörner abstieß“. Große Freude kam in der Türkei nicht auf – weder damals noch kürzlich, als Johnson zum Regierungschef aufstieg und in dieser Funktion wohl in naher Zukunft auf Erdogan treffen dürfte.

 Dabei hätten die beiden eigentlich einen Aufhänger zum Plaudern. Denn der britische Exzentriker verweist gerne auf seine eigenen Istanbuler Wurzeln. So war sein Urgroßvater Ali Kemal im Jahr 1919 für kurze Zeit Innenminister des Osmanischen Reichs, zudem Intellektueller, der auch privat ein aufregendes Leben führte. Zwei Mal war Kemal verheiratet. 1922 wurde er von einem Mob gelyncht. Osman Ali, der Sohn aus Kemals erster Ehe mit einer Engländerin, floh nach der Ermordung seines Vaters nach London, heiratete eine Britin und nahm den Namen Wilfred Johnson an. Sie wurden die Großeltern vom jetzigen Premier.

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