Historischer Prozess

Spanien als „Geisel“ der Separatisten

Zwölf Anführer der Unabhängigkeitsbewegung sitzen auf der Anklagebank in Madrid. Foto: Emilio Naranjo/EFE Pool via AP FOTO: Emilio Naranjo

Madrid/Barcelona. Unter großem Medieninteresse und begleitet von Protesten ist am Dienstag in Madrid der Startschuss für den Mammutprozess gegen die separatistische Führungsriege Kataloniens gefallen.

Vor dem Obersten Gericht müssen sich zwölf Angeklagte verantworten - darunter ehemalige Minister der Konfliktregion und zwei Aktivisten, die im „heißen Herbst“ von 2017 zentrale Rollen gespielt haben. Der Gruppe um Ex-Vize-Regionalpräsident Oriol Junqueras drohen Haftstrafen von bis zu 25 Jahren. Der Vorwurf lautet auf Rebellion, Aufruhr und Veruntreuung.

Auf der Anklagebank fehlte jedoch der wohl wichtigste Protagonist des Abspaltungsreferendums, das die Justizmühlen vor 14 Monaten ins Rollen brachte: Ex-Regionalpräsident Carles Puigdemont war vor seiner Festnahme ins belgische Exil geflohen. „Wir erleben heute einen Prozess, den es nie hätte geben dürfen“, sagte der 56-Jährige am Dienstag in der katalanischen Vertretung in Berlin. Er sprach von einem „künstlich konstruierten, politischen Verfahren“ und einem „Stresstest für die spanische Demokratie“.

Insgesamt sollen in den kommenden drei Monaten fast 600 Zeugen vernommen werden, so etwa der konservative Ex-Ministerpräsident Mariano Rajoy, in dessen Amtszeit das Referendum fiel. Die Urteilsverkündung wird nicht vor Juli erwartet. Der Prozess wurde live im spanischen Fernsehen übertragen und gilt als einer der wichtigsten in der jüngeren Geschichte des Landes.

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