#MeToo in der Musikbranche

Ein Koloss wankt: Vorwürfe gegen R. Kelly werden lauter

Mit der Doku-Serie „Surviving R. Kelly“ haben teils seit Jahrzehnten bekannte Missbrauchsvorwürfe gegen den Sänger an Schlagkraft gewonnen. Foto: Frank Micelotta/Invision/AP FOTO: Frank Micelotta

Chicago. 50 Millionen verkaufte Alben, drei Grammys und Auszeichnungen als erfolgreichster R&B-Künstler der vergangenen 25 Jahre: Geht es nach seinen musikalischen Leistungen, ist Sänger R. Kelly ein Koloss.

Mit seinem Hit „Bump N' Grind“ kitzelte er bei Erwachsenen das Verlangen nach körperlicher Nähe hervor, mit „I Believe I Can Fly“ regte er Kinder und Jugendliche zum Träumen an. Das Magazin „Billboard“ nannte ihn 2015 in einem Ranking nicht weit hinter Michael Jackson, Stevie Wonder und Prince.

Aber der Koloss wankt. Mit der Doku-Serie „Surviving R. Kelly“ haben teils seit Jahrzehnten bekannte Missbrauchsvorwürfe gegen ihn an Schlagkraft gewonnen. Zahlreiche Frauen werfen dem 51-Jährigen darin vor, sie sexuell oder emotional missbraucht zu haben, teils schon im Teenager-Alter. Angst, Ekel und Scham stehen den teils weinenden Frauen in der Sendung ins Gesicht geschrieben. Die Serie beim Sender Lifetime ist eine Anklage gegen Robert Sylvester Kelly, gebündelt und verpackt in sechs Folgen für das amerikanische Abendfernsehen.

Ist dies der Anfang vom Ende für R. Kelly? Wird er zum ersten namhaften Musiker in den USA, den die #MeToo-Bewegung zu Fall bringt? Staatsanwälte in Chicago und Atlanta befassen sich nun mit den Vorwürfen. Kelly hat diese mehrfach entschieden abgestritten und wirft seinen Kritikern eine Rufmord-Kampagne vor.

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