Illegales Autorennen

Falsches Urteil nach Tod von Radfahrerin?

Gedenken an die tote Radfahrerin: Kerzen, Blumen und ein Fahrrad stehen in Köln am Straßenrand. Zwei Männer hatten sich im April 2015 ein Autorennen geliefert und den Unfall verursacht. Jetzt stehen sie erneut vor Gericht. FOTO: Oliver Berg / dpa

Köln. In Köln kamen zwei Raser mit Bewährung davon, das Entsetzen war groß. Jetzt wird der Fall erneut vor Gericht verhandelt.

Die 19-jährige Miriam ist mit dem Rad auf dem Weg von der Uni nach Hause. Plötzlich kommen ihr zwei Autos entgegengerast, nahe den Rheinterrassen in Köln-Deutz. In einer Kurve verliert einer der Autofahrer die Kontrolle. Sein Wagen schleudert auf den Radweg und trifft die Studentin wie ein Geschoss. Miriam hat keine Chance, drei Tage später stirbt sie an ihren Verletzungen.

Das Unglück sorgt im April 2015 bundesweit für Entsetzen – und das spätere Urteil für die beiden Raser ebenfalls: Sie kommen mit Bewährungsstrafen davon. Ist das angemessen? Nein, meinen zahllose Bürger, die ihrer Empörung in Leserbriefen und Internet-Kommentaren Luft machen. In Diskussionsrunden mit Politikern und Verkehrsexperten wird das Urteil als Negativbeispiel angeführt. „Das Urteil in der ersten Instanz war falsch“, sagt auch Anwalt Nikolaos Gazeas, der Miriams Familie als Nebenkläger vertritt. In der Neuauflage des Prozesses, der seit gestern zum zweiten Mal das Kölner Landgericht beschäftigt, hofften die Angehörigen nun auf „ein richtiges und gerechtes Urteil“, sagt er.

Denn der Bundesgerichtshof (BGH) hat dem Kölner Landgericht aufgetragen, sich nochmals mit dem Fall zu beschäftigen. Und zwar im Hinblick auf die Strafaussetzung zur Bewährung. Die Kölner Richter hätten zum einen nicht beachtet, dass die beiden in Deutschland geborenen Türken den Unfall mit ihrer aggressiven Fahrweise vorsätzlich herbeiführten. Zum anderen hätten sie nicht berücksichtigt, wie sich die Bewährungsstrafe auf das allgemeine Rechtsempfinden der Bevölkerung auswirke, befand der BGH.

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