Regierung in Wiesbaden steht

Vertrautheit statt Erotik bei Schwarz-Grün in Hessen

Volker Bouffier (CDU, l.) bleibt wohl Ministerpräsident von Hessen, sein Stellvertreter Tarek Al-Wazir (Grüne) wird aber mächtiger.FOTO: dpa / Boris Roessler

Wiesbaden. CDU und Grüne werden ihrem Ruf als „Kuschel-Koalition“ auch bei der Neuauflage des Bündnisses in Hessen gerecht. Wer wegen der neuen Mehrheitsverhältnisse nach der Landtagswahl Grabenkämpfe, Eifersüchteleien oder einen deutlich grüneren Koalitionsvertrag erwartet hatte, sah sich bei der Präsentation des Papiers am Donnerstag getäuscht.

Hart und mit viel Reibung sei während der fast achtwöchigen Verhandlungen um Kompromisse gerungen worden, berichten CDU-Ministerpräsident Volker Bouffier und sein Stellvertreter Tarek Al-Wazir (Grüne) bei ihrem gemeinsamen Auftritt in Wiesbaden. Auch sei nicht bei allen Themen eine gemeinsame Linie gefunden worden – das gilt etwa für die Bewertung von sicheren Herkunftsstaaten für die Abschiebung von Flüchtlingen. In dem Vertrag würden sich beide Partner wiederfinden, versichern die beiden sich duzenden Spitzenpolitiker. In dem Papier gehe es um etliche neue Initiativen und Ideen zur Gestaltung von Hessen, aber auch darum, Bewährtes zu erhalten.

Auf die Frage, ob CDU und Grüne wegen ihrer nahezu reibungs- und geräuschlosen Zusammenarbeit mittlerweile ein eheähnliches Verhältnis pflegen, entfährt dem 67-jährigen Bouffier spontan ein „Neenee“. Um dann schmunzelnd nachzuschieben: „Der erotische Blitzeinschlag der Erstberührung, der ist vorbei.“ CDU und Grüne seien Partner auf Zeit. „Sehr vertrauensvoll, auch durchaus vertraut.“ Letztlich gehe es aber um die Verantwortung, das Land in Zeiten riesiger gesellschaftlicher Veränderungen zusammenzuhalten. Entsprechend lautet auch der Titel des Koalitionsvertrags: „Aufbruch im Wandel durch Haltung, Orientierung und Zusammenhalt“.

192 Seiten ist der neue Koalitionsvertrag stark und damit fast doppelt so dick wie das Erstlingswerk von Schwarz-Grün in Hessen. Im Drehbuch für das Bündnis vor fünf Jahren standen vor allem Überschriften und allgemein gehaltene politische Ziele. In der Fortsetzung haben die alten und neuen Regierungspartner nun sehr konkrete Verabredungen getroffen – gerade bei den Schwerpunktthemen Innere Sicherheit, Umgang mit Flüchtlingen, Bildung und Wohnen.

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