Suche der neuen SPD-Spitze

Scholz’ Kandidatur könnte die Koalition in Berlin retten

FOTO: SZ / Lorenz, Robby

Die SPD muss Ralf Stegner und Gesine Schwan dankbar sein. Nach den vielen überraschenden, um nicht zu sagen kuriosen Namen, die es im Kandidatenkarussell um den Parteivorsitz vorher schon gegeben hatte, war die Bewerbung der beiden Oldies so etwas wie der absurde Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Und die da Oben endlich rührte, das Theaterstück namens „Eine Volkspartei macht sich zur Lachnummer“, das die Sozialdemokraten seit Wochen aufführen,  zu beenden. Mit Olaf Scholz.

Das kam wahrlich spät. Nichts gegen Lauterbach, Lange, Roth, Scheer, Pistorius und all die anderen. Aber das ist so, als würden für  einen Verein zum Bundesliga-Fußballspiel nur welche aus der zweiten oder dritten Mannschaft antreten. Eine große Partei führen, dazu braucht man Erfahrung und Ansehen über die eigenen Reihen  hinaus. Das hat außer Scholz kein anderer der bisherigen Bewerber. Wenngleich der Bundesfinanzminister bei seinen Leuten nicht gerade beliebt ist. Außerdem fehlt ihm noch eine Frau als Co-Vorsitzende an der Seite, doch die wird sich in den Ländern finden lassen.

Dass Scholz vor zwei Monaten noch gesagt hat, zeitlich sei die Doppelbelastung nicht zu schaffen – geschenkt. Das ist nicht der Punkt. Jeder sieht doch, dass eine neue Lage eingetreten ist durch die feige Wegduckerei aller anderen. Der Punkt ist, dass Scholz ein Befürworter der großen Koalition ist. Die Groko-Gegner innerhalb der SPD werden nun mobilisieren. Vielleicht meldet sich Juso-Chef Kevin Kühnert ja noch. Freilich gibt es auch unter den vorhandenen Bewerbungen schon etliche, die das Regierungsbündnis mit der Union beenden wollen. Die Urabstimmung über den Vorsitz im Oktober wird durch Scholz‘ Bewerbung in jedem Fall zur Entscheidung über den Fortbestand der Groko werden.

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