Glosse

Gutscheine einlösen

Das Weihnachtsfest ist vorbei, und mancher fand nach der vergeblichen Geschenkejagd nur Zuflucht in Gutscheinen. Aber auch das wird von einigen schon wieder madig gemacht. Zeit-Geschenke und Gutscheine für Veranstaltungen sollen nämlich nach Ansicht des Philosophen Wilhelm Schmid auf jeden Fall eingelöst werden, damit kein Vertrauen verloren geht.

Eingelöst! Dabei läuft das doch dem heimlichen Grundgedanken des Gutscheins zuwider, der eher eine unverbindliche Absichtserklärung ist. Und davon, dass viele bereits bezahlte Gutscheine niemals eingelöst werden, profitiert auch der oft notleidende Einzelhandel.

Aber schließlich kommt es ja beim Schenken vor allem auf die Stärkung zwischenmenschlicher Beziehungen an. Die wird auch schon dadurch erreicht, dass der Beschenkte merkt: Hier hatte jemand tatsächlich mal den kurzen Impuls, Zeit mit mir zu verbringen oder mir einen Gefallen zu tun. Das allein ist schon rührend! Und das Vertrauen wird durch Gutscheine keinesfalls beschädigt – im Gegenteil. Viele Beschenkte vertrauen sogar zu lange darauf, dass sie für das Einlösen irgendwann mal Zeit finden.

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