Kommentar

Die Stunde der Wahrheit

FOTO: SZ / Roby Lorenz

Kattowitz war der Versuch, aus der unverbindlichen Absichtserklärung von Paris einen verbindlichen Plan zu machen. Alle Staaten sollen nun regelmäßig nach einheitlichen Kriterien und überprüfbar berichten, was sie getan haben, um ihren CO2-Ausstoß zu senken.

Wenn auch erst ab 2024. Aber immerhin: So entsteht ein Mechanismus der Kontrolle. Ein globaler Pranger. Dass eine solche Verabredung gelang, ist die gute Nachricht. Absehbar ist aber, dass der Klimaschutz umso mehr Widerstand erzeugt, je konkreter er wird. Deutschland wird das 2019 merken, wenn die Regierung ihr im Koalitionsvertrag verabredetes verbindliches Klimaschutzgesetz formuliert. Das wird Hauen und Stechen geben. Die „Gelbwesten“ in Frankreich geben einen Vorgeschmack darauf.

In Kattowitz hat sich zudem angedeutet, woran der Prozess jederzeit scheitern kann: an Staaten, die stark und rücksichtslos genug sind, ihre Interessen durchzusetzen. Pranger hin oder her. Bei der Konferenz waren das vor allem die USA, Brasilien, Saudi-Arabien und Russland. Sie wollen Öl, Gas und Kohle verkaufen, soviel es geht. Noch sind sie nicht ausgestiegen, drohen nur damit. Weil die Beschlüsse ihre Geschäfte nicht fundamental stören. Ändert sich das, kommt auch für die globale Klimapolitik die Stunde der Wahrheit.

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