Kommentar zum Verteilschlüssel für Flüchtlinge

Europa muss Größe zeigen

Fatima Abbas FOTO: SZ / Robby Lorenz

Winston Churchill stellte einst zu Recht fest: „Der Preis der Größe heißt Verantwortung.“ Wie gut, dass das große Deutschland Verantwortung übernimmt.

Man könnte salopp sagen: Einer muss es ja machen. Immerhin sind auch Staaten wie Frankreich und Malta gewillt, eine effektive Quotenregelung zu etablieren. Übrigens keine Wohltat, sondern eine längst überfällige europäische Hausaufgabe. Zumal es ohnehin absurd wäre, wenn der Mann der so viel beschworenen „Obergrenze“ plötzlich zum vordersten Kämpfer an der Seenotrettungsfront mutiert wäre. Es bleibt Horst Seehofer schlicht nichts anderes übrig. Denn wie er richtig feststellt: Flüchtlingsplattformen in Nordafrika wird es nicht geben. Und das ist auch gut so.

Ob nun allein die deutsche Bereitschaft, mehr Flüchtlinge in Seenot aufzunehmen, für Zugzwang unter den notorischen Realitätsverweigerern sorgen wird, ist fraglich. Wenn selbst die vielen Tausend, die bislang im Mittelmeer ertranken, die Hardliner nicht beeindrucken konnten. Umso wichtiger ist das Innenministertreffen am 23. September. Wenn das europäische Projekt in Zeiten von Salvini und Brexit eine Chance haben soll, muss endlich ein verbindlicher Verteilschlüssel für Flüchtlinge her. Europa muss Größe zeigen. Der Preis dafür heißt Verantwortung.

top