Leitartikel zum CSU-Parteitag

Söders erste Niederlage verschafft AKK Luft

FOTO: SZ / Robby Lorenz

So ganz hat man der CSU ja nie abgenommen, dass sie ihre bajuwarische Deftigkeit tatsächlich weitgehend an den Nagel hängen würde. Markus Söder will seine Partei zwar unbedingt moderner, jünger, grüner, weiblicher machen.

Sie soll weniger traditionell und damit zwangsläufig weniger konservativ sein. Zum Teil ist ihm diese neue Form der Bürgerlichkeit bereits gelungen. Aber auf dem CSU-Parteitag hat sich auch gezeigt, dass der Basis Söders neue Kleider nicht gänzlich passen – der Kompromiss zur Frauenquote ist sogar eine erste derbe Niederlage für den Parteichef. Und siehe da, insgeheim freuen darf sich darüber ausgerechnet die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer.

Extrem schlecht stand es um das Verhältnis der Schwesterparteien CDU und CSU zu Zeiten von Angela Merkel und Horst Seehofer als Parteivorsitzende. Selbst der Bruch der Fraktionsgemeinschaft im Bundestag war auf dem Höhepunkt des Streits um die Zurückweisung von Flüchtlingen an den Grenzen im vergangenen Jahr eine Option. Heute ist die Lage eine völlig andere: Merkel und Seehofer bestimmen nicht mehr den Unionstakt. Söder und AKK haben die Probleme beseitigt. Sie stehen sich auch in der Frage deutlich näher, was ihre Parteien künftig inhaltlich leisten müssen. Vor allem Kramp-Karrenbauer hat nach ihrer Wahl zur CDU-Chefin geschickt die Aussöhnung mit der bayerischen Schwesterpartei gesucht. Erstens, weil man nur gemeinsam bundesweite Wahlen gewinnen kann. Zweitens, weil es ohne die CSU erst Recht keine Kanzlerin Kramp-Karrenbauer geben wird.

Zuletzt hat AKK geschwächelt und ist innerparteilich sehr in Frage gestellt worden. In den Umfragen bekommt sie miserable Werte. Das hat die Debatte entfacht, ob sie überhaupt Kanzlerin kann – und es hat Spekulationen beflügelt, ob neben Merz, Laschet, Spahn auch Söder womöglich Ambitionen auf die Kanzlerkandidatur haben könnte. Letzterer hat selbst vieles dafür getan, dass dieser Eindruck entsteht. Anerkennen muss man allerdings: Söder hat es in kürzester Zeit geschafft, die unangefochtene Nummer Eins in der CSU zu werden. Er hat seine Partei glaubhaft für neue Themen geöffnet. So grün waren die Christsozialen noch nie. Das muss Kramp-Karrenbauer mit der CDU noch gelingen. Die Fehler der Saarländerin haben dem Bayern genutzt. Er ist im Moment der eigentlich starke Mann bei den Schwarzen.

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