Glosse

Feinsinnige Feinheiten

Es wird immer schwieriger, die eigene Begeisterung trendgerecht auszudrücken. Verrät doch etwa ein euphorischer Ausdruck wie „prima!“, „super!“ oder gar „dufte!“ ein leicht fortgeschrittenes Alter des Anwenders, das heute gar nicht mehr fein wirkt.

Denn „fein“ ist das neue „prima“.

Früher galt das Wörtchen noch als Bezeichnung für etwas Edles wie „feine Dame“, „feiner Stoff“ oder „feine Teewurst“. Heute dagegen ist es ein Sammelbegriff für einfach alles, was einem in irgendeiner Form gefällt. Dann ist der Abend irgendwo eben auch „sehr fein“ gewesen, wenn es dort nur grobe Wurst gab. Da gibt es keine feinen Unterschiede mehr. Und was sind Worte überhaupt? Meistens klein, aber fein.

Fragt sich natürlich, was angesichts dieser Bedeutungsverschiebung dann in unserer Gesellschaft überhaupt noch unfein ist. Vermutlich nur noch das, was keinen Spaß mehr macht oder keine spontanen Begeisterungsrufe hervorruft. Aber das hat auch eine feine Seite: Denn wer lediglich unterhaltsamen Blödsinn im Kopf hat, ist demzufolge nicht etwa albern. Sondern gleich schon feinsinnig – oder fein raus.

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