Rom vs. Paris

Wenn aus Nachbarn plötzlich Gegner werden

, Innenminister von Italien, nimmt an einer Pressekonferenz zur Rentenreform teil. Foto: Andrew Medichini/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ FOTO: dpa / Andrew Medichini

Paris. Der Streit zwischen Frankreich und Italien ist weit mehr als nur eine Meinungsverschiedenheit zwischen zwei benachbarten Staaten. Diese Auseinandersetzung bietet einen beängstigenden Blick in die Zukunft Europas, sollten Populismus und Nationalismus in der Europäischen Union weiter um sich greifen.

Dass Paris seinen Botschafter aus Rom zu einer „Besprechung“ zurückbeordert hat, ist nur der vorerst letzte Akt in einem diplomatischen Schauspiel, wie es die EU seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt hat. Vorangegangen sind diesem Schritt beispiellose Provokationen aus Italien.

Es ist ein Affront, wenn der italienische Vizepremier und Vertreter der extremen Fünf-Sterne Bewegung Luigi Di Maio diese Woche in einem Vorort von Paris Vertreter eines radikalen Flügels der französischen Gelbwesten trifft. Christophe Chalencon, charismatischer Wortführer der Gilets Jaunes, fordert offen den Sturz der Regierung von Präsident Emmanuel Macron und die Machtübernahme der Armee in Frankreich.

Damit nicht genug: Schon Anfang des Jahres hatte Di Maio dem französischen Staatschef vorgeworfen, Frankreich verhalte sich noch immer wie eine Kolonialmacht und fördere die Flüchtlingsströme aus Afrika. Auch der italienische Innenminister und Chef der rechtspopulistischen Lega Matteo Salvini beschimpfte Macron öffentlich als „fürchterlichen Präsidenten.“

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