Ex-Sicherheitsberater Flynn

Der Absturz eines verbitterten US-Helden

Michael Flynn stand früh zu Donald Trump. Hat er ihn nun belastet? FOTO: dpa / Carolyn Kaster

Washington. Wenige Stunden vor der Urteilsverkündung meldete sich Donald Trump via Twitter zu Wort, um Michael Flynn viel Glück zu wünschen. Falls es sarkastisch gemeint war, dann gab sich der US-Präsident viel Mühe, es zu verbergen.

Mit Flynn, der für gut drei Wochen Nationaler Sicherheitsberater war, musste sich zum ersten Mal ein hochrangiges Mitglied der Regierung Trump vor Gericht verantworten. Und dabei ein Kronzeuge Robert Muellers, des Sonderermittlers der Russlandaffäre.

Was genau der 60-Jährige über die Kontakte zwischen Trumps Wahlkampfteam und dem Kreml erzählte, ist nicht bekannt. Offensichtlich war es so substanziell, dass Mueller vorschlug, dem ehemaligen Drei­sternegeneral eine Haftstrafe zu ersparen.  Ob der Richter dem folgen würde, sollte sich gestern am späten Abend (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe) entscheiden.

Wie auch immer, die restlose Entzauberung eines einst zum Helden verklärten Generals ist ein Absturz, wie ihn Amerika nur selten erlebt. In Afghanistan und im Irak hatte sich Flynn den Ruf erworben, ein einfallsreicher Stratege des Kampfes gegen Terroristen zu sein. Er verstand sich darauf, extremistische Netzwerke aufzuspüren und aufzudröseln. Er galt als hochintelligent und überdies – worauf das amerikanische Militär großen Wert legt – als politisch neutral. Zurückgekehrt in die USA, wurde er 2012 von Barack Obama zum Direktor der Defense Intelligence Agency, des Militärgeheimdiensts, befördert. Und zwei Jahre darauf bereits wieder entlassen, da er ständig bei seinen politischen Vorgesetzten im Weißen Haus aneckte.

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