Ist die AfD bürgerlich?

Völkische Vorstellungen sind nicht bürgerlich

Düsseldorf. Elf Lösungsworte in Längen zwischen fünf und 15 Buchstaben bietet die Kreuzworträtsel-Hilfe im Internet für den Begriff „bürgerlich“ an: solid, zivil, solide, bieder, geordnet, bourgeois, etabliert, angepasst, ordentlich, konservativ, mittelständisch.

Ratefüchsen reicht das. Der Rest der Republik spürt der Bedeutung des Adjektivs erheblich angestrengter nach, seit sich die AfD angesichts beachtlicher Wahlerfolge in Sachsen und Brandenburg zur „bürgerlichen Oppositionspartei“ und zu „Vertretern des Bürgertums“ aufgeschwungen hat.

Wer oder was aber ist eigentlich bürgerlich? Halten wir fest: Es gibt Großbürger, Kleinbürger und Spießbürger. Bildungsbürger, Mitbürger, Wahlbürger und neuerdings auch Wutbürger. Das Spektrum reicht vom armen Schlucker bis hin zu Leuten, die über reichlich altes Geld verfügen. In bürgerlichen Wohnstuben finden sich Bauhausmöbel ebenso wie Gelsenkirchener Barock. Im Übrigen zeichnen bürgerliche Tugenden wie Disziplin, Pünktlichkeit oder Sauberkeit auch Menschen aus, die ansonsten absolute Widerlinge sind. Kurzum: Das Terrain ist unübersichtlich.

Hinzu kommt: Bürgerlichkeit behagt nicht allen. 1968 waren es die Studenten, die dem Bürgertum vorhielten, durch sein Dasein und Sosein Adolf Hitler nicht nur nicht verhindert, sondern seiner Vernichtungsmaschine erst die tödliche Präzision verliehen zu haben. Eine antiautoritäre Welle brandete durchs Land, auf der Individualisten, Selbstverwirklicher und Aussteiger surften.

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