Die Richter erklärten, auch aus einem Ausstellungskatalog fotografierte oder gescannte Bilder von gemeinfreien Kunstwerken seien urheberrechtlich geschützt und dürften nicht einfach veröffentlicht werden. Hier gilt ein sogenannter Lichtbildschutz, der aber nur 50 Jahre lang währt.

Sogar Selfies vor einem noch urheberrechtlich geschützten Kunstwerk können zum Problem werden. Im Urheberrechtsgesetz heißt es: „Zulässig ist die Vervielfältigung, Verbreitung und öffentliche Wiedergabe von Werken, wenn sie als unwesentliches Beiwerk neben dem eigentlichen Gegenstand der Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentlichen Wiedergabe anzusehen sind.“ Allerdings hat der Bundesgerichtshof die Definition für „Beiwerk“ in einem Grundsatzurteil im Jahr 2014 sehr streng und im Sinne des Urheberrechtsschutzes von Kunstwerken ausgelegt (Az.: I ZR 177/13). Im verhandelten Fall hatte ein Künstler gegen einen Büromöbelhersteller geklagt, der in einem Katalog das Foto eines Raumes mit seinen Möbeln darin und einem Gemälde des Künstlers an der Wand veröffentlicht hatte – ohne Genehmigung des Malers. Die Richter erklärten, es komme darauf an, ob ein Kunstwerk innerhalb eines Fotos „erkennbar stil- oder stimmungsbildend“ sei.


Wer sich als Museumsbesucher vor einem Gemälde fotografiert, das Bild veröffentlicht und dann argumentiert, das Kunstwerk sei ja nur Beiwerk, dürfte in einem Rechtsstreit keine großen Chancen haben.

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