Mainz 

Die Polizei – dein Freund und Opfer

Ein gewalttätiger Demonstrant schlägt einen Polizeibeamten nieder. Immer häufiger werden Einsatzkräfte  im Dienst Opfer von Gewalt.  FOTO: dpa / Carsten Rehder

Mainz . Ein Beamter berichtet von Gewalt in seinem Alltag. In seinem beruflichen Umfeld muss er mit gewalttätigen Kriminellen rechnen.

„Es war ein ganz normaler Bürotag“, sagt Michael F., „aber danach war der Sommer gelaufen.“ Man braucht schon die Vita von F., um besagten Tag als „normal“ zu beschreiben. Wenn es die „Blaulichtfamilie“, von der der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) gern spricht, wirklich gäbe, wäre Michael F. ihr Sohn. Als Jugendlicher löscht er Feuer, arbeitet später beim Rettungsdienst. Von der Polizeischule am Hahn geht es über die Bereitschaftspolizei zur Rauschgiftfahndung. In seinem „Büro“, einen Drogenumschlagplatz in der Nähe des Mainzer Hauptbahnhofs, bricht ein „Kunde“ ihm zwei Finger. „Der Sommer war gelaufen“, sagt F. lapidar. Der 26-Jährige ist damit einer von vielen Polizeibeamten, die Freund und Helfer sein wollten und Opfer wurden.

Verändert hat ihn die Situation nicht – weil er sie verarbeitet hat. Mit seinen Mitteln: „Erst mal ist der Mensch ein Gewohnheitstier. Wenn man den Beruf auswählt, weiß man, dass man mit bösen Leuten zu tun hat. Ich kenne das, bin damit bei Feuerwehr und Rettungsdienst großgeworden.“ Trotzdem kommt auch er manchmal nicht weiter. Die Kollegen helfen: „Bei besonders schlimmen Ereignissen sind sie die zweite Familie. Sie haben großes Verständnis, weil sie in der gleichen Situation sind. Das hilft ungemein.“

F. ist ungefähr 1,80 Meter groß, und das Jackett ruht auf breiten Schultern. Mit ihm anlegen würden sich auf der Straße wohl die wenigsten. Es gibt schlichtweg keinen Grund. Er ist sympathisch, als Polizeibeamter neigt er natürlich auch nicht dazu, Streit zu provozieren. Außerdem hat er eine Statur, mit der er auch als Profisportler durchgehen würde. „Respekt bitte!“, fordert nun die Landesregierung bei ihren Aktionstagen. Seine „Kunden“ interessiert das nicht. Sie haben vor Gesetzen keinen Respekt und erst recht nicht für Polizeibeamten.

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