Musik

„Sehen Sie hier einen Rollstuhl?“

Thomas Quasthoff feiert am 9. November seinen 60. Geburtstag.FOTO: dpa / Britta Pedersen

Berlin. Der Sänger Thomas Quasthoff erlebte eine einzigartige Karriere mit Triumphen und Umbrüchen. Am Samstag wird er 60 Jahre alt.

Ohne diesen Preis wäre er wohl nicht so weit gekommen, sagt Thomas Quasthoff ganz sachlich. Der Sieg im ARD-Wettbewerb Gesang 1988 öffnete dem jungen Mann, der „die Träne im Ton“ hatte, wie es Sopranistin Anneliese Rothenberger einmal sagte, den Sprung zu einer Weltkarriere. Eine Karriere, die er für sein Publikum viel zu früh beendete und nach der sich der Sänger neu erfinden musste.

Wenn Quasthoff am Samstag 60 Jahre alt wird, will er nicht zurückblicken – und auch nicht feiern. „Wir gehen mit meiner Familie essen.“ Quasthoff neigt nicht zur Sentimentalität, wenn er über sich erzählt. Ja, er habe mit allen großen Dirigenten gesungen. Claudio Abbado, Daniel Barenboim, Mariss Jansons, Simon Rattle, Helmuth Rilling. Oper und Oratorien, Liederabende. Mahler, Schubert, Brahms, „Parsifal“ und die „Matthäus-Passion“. Viele Preise bekam er, darunter drei Grammys. Ein wenig Stolz schwingt da schon mit, verklärend ist es nicht.

Als „Contergan“-Kind zur Welt gekommen, hat Quasthoff seine Behinderung nie als Nachteil für seinen Beruf gesehen. Klar, er werde älter, die Contergan-Schädigung hinterlasse Spuren. „Mein Rücken ist nicht mehr so fit wie früher.“ Vor Jahren habe die Prognose gelautet, dass er im Rollstuhl sitzen werde. „Sehen Sie hier einen Rollstuhl? Ich kann immer noch zu Fuß gehen. Und dafür bin ich irrsinnig dankbar.“

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