Saisonstart am Saarbrücker Theater

Karussell der Leidenschaften

Halb zog sie ihn, halb sank er hin: Graf Almaviva (Salomón Zulic del Canto, l.) ist letztlich Wachs in Susannas Händen (Marie Smolka). Aber auch Algirdas Drevinskas (in einer Doppelrolle als Don Basilio und Don Curzio) ist erkennbar angetan von ihr. FOTO: Saarländisches Staatstheater / martinkaufhold.de ;Martin Kaufhold

Saarbrücken. Dieser Saarbrücker „Figaro“ geht ans Herz und an die Wäsche. Klug inszeniert und verlockend gesungen liefern diese drei Stunden Oper jede Minute gute Gründe, der großen Verführung Theater zu erliegen.

Halten wir erstmal kurz inne. Und zeigen Ehrfurcht: Am 1. Mai 1786 erblickte „Le nozze di Figaro“ das Licht der Theaterwelt. Wobei die Wiener Uraufführung eher kühl ausfiel; dem versammelten Adel im Hoftheater behagte wohl nicht, dass da ein Diener auf offener Bühne wider seine Herrschaft aufmuckte. Dem „Figaro“ aber waren die indignierten Blaublüter egal. Denn seitdem spielte man Mozarts hochamouröses Opus zig hunderttausende Mal, dachte es immer wieder anders, schuf es mit jedem Abend quasi neu.

Doch was muss das für ein genialischer Coup sein, der seit 233 Jahren so durchweg fasziniert? Eine Zaubermusik muss das sein, eine, die zum Beispiel zum Tanzen verführt. Wie auch den Generalmusikdirektor des Staatsorchesters. Wer das Privileg hatte, am Sonntag nah genug am Orchestergraben zu sitzen, konnte Sébastien Rouland den gesamten Premierenabend tanzen sehen. Ein Dirigent eins mit der Musik. Beschwingt, beseelt von Mozarts Komponierkunst, und Roulands Glück war offenbar ansteckend, bei dem, was da aus dem Graben drang. Ein höchst finessenreicher Ton, leicht, transparent und doch mit Tiefe und kostbar oft, wenn etwa die famose Valda Wilson als Gräfin Almaviva der verlorenen und, so scheint es, unwiederbringlichen Liebe zu ihrem Gatten nachtrauert. Weil der jedem fremden Rock hinterherhechelt und sein eigentliches Glück vergisst. Da bettet Rouland Wilsons edlen Sopran wunderbar sanft, setzt aufmerksam kleinste dramaturgische Pausen, fasst diese innige Arie „Dove sono i bei momenti...“ einer Perle gleich in Klanggold.

Doch das ist ja bloß ein Moment. Mozart aber konnte dieses beglückende Spiel ja fast ins Unermessliche potenzieren, köstliche Duette, Terzette, Septette aufs Notenpapier werfen. Die dafür aber so elementare Durchhörbarkeit zu sichern, zu ordnen und dabei doch so viel Gefühl wie möglich zuzulassen, macht die hohe Dirigentenkunst aus, die Rouland hier vorführt.

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